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Heimische Blue Chips bieten trotz Fehlstart Chancen

Das Nervenkostüm der Anleger wurde gleich nach den Weihnachtsferien auf eine harte Probe gestellt. Rund um den Globus gaben die Aktienkurse zum Auftakt des Börsenjahres 2016 kräftig nach. In gewisser Weise kommen die Turbulenzen einem Déjà-vu gleich. Denn wie bereits mehrmals im alten Jahr sorgte die Entwicklung in China weltweit für Verunsicherung. Das Reich der Mitte hatte schwache Daten für die Industrie gemeldet. Hier war die Produktion im Dezember den zehnten Monat in Folge geschrumpft. Damit verstärken sich die Sorgen, dass die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt auf das schwächste Wachstum seit einem Vierteljahrhundert zusteuern könnte. Nachdem die lokalen Aktienmärkte mit hohen Verlusten auf die konjunkturellen News reagiert hatten, wurde der Handel am 4. Januar sogar vorzeitig beendet. Neben der China-Problematik setzte die geopolitische Grosswetterlage den Börsenbullen zu. Diesbezüglich sorgten vor allem die zunehmenden Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran für Aufsehen.

Schweizer Unternehmen: Erfolgreich und spendabel

Während der EURO STOXX 50 mit Abschlägen von mehr als 3 Prozent in das Jahr startete, kam der SMI relativ glimpflich davon. Die heimischen Blue Chips büssten weniger als 2 Prozent ein. Zwar ist der vor Weihnachten lancierte Angriff auf die 9.000-Punkte-Marke damit vorerst vom Tisch, an der übergeordneten Konstellation konnten die Turbulenzen jedoch wenig ändern. Der Leitindex bewegt sich auf einem hohen Niveau seitwärts (siehe Grafik 1).

Grafik 1: Auf hohem Niveau seitwärts

SMI: Kursentwicklung – zwei Jahre

Grafik 1: Auf hohem Niveau seitwärts
Stand: 5. Januar 2016; Quelle: Thomson Reuters; Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Ein Argument dafür, dass der Ausbruch nach oben im neuen Jahr gelingen könnte, liefern die aktuellen Gewinnschätzungen. Geht es nach dem Gros der Analysten, steht den heimischen Konzernen eine Wachstumsphase ins Haus. Laut Zahlen des Datendienstleisters Factset liegt der 2016er-Konsens für den SMI bei einem Ergebnis je Aktie (EPS) von 535 Indexpunkten (siehe Grafik 2). Damit würden die Indexmitglieder ihren kumulierten Profit gegenüber der Vorperiode um 4,8 Prozent erhöhen. Im kommenden Jahr soll der Gewinnmotor die Drehzahl nach einmal erhöhen: Dann trauen die Experten dem SMI ein Wachstum von knapp einem Zehntel zu. Bewahrheitet sich diese positive Prognose, würden die 20 grössten Börsenunternehmen der Schweiz die höchste Steigerungsrate seit 2013 verzeichnen.

Grafik 2: Gewinnmotor läuft

SMI: Ergebnis je Aktie in Indexpunkten

Grafik 2: Gewinnmotor läuft
Stand: Dezember 2015; Quelle: Factset, Commerzbank; e = erwartet; Prognosen sind kein Indikator für die künftige Entwicklung.

Schon jetzt lassen viele Konzerne ihre Anteilseigner mit grosszügigen Ausschüttungen am Erfolg teilhaben. Wenn die Gesellschaften im Frühjahr ihre Generalversammlungen abhalten, dürften nicht selten üppige Gewinnbeteiligungen auf der Agenda stehen. Daher sollte die Dividendenrendite für den Leitindex auf einem hohen Niveau verharren. Per Mitte Dezember 2015 stand diese viel beachtete Kennzahl bei 3,4 Prozent und damit über dem durchschnittlichen Wert der vergangenen zehn Jahre (siehe Grafik 3). Derweil stossen Investoren am Obligationenmarkt weiterhin auf Magerkost. Beim zehnjährigen Eidgenossen hält sich die Verzinsung hartnäckig unterhalb der Nulllinie und auch die auf Schweizer Franken lautenden Obligationen des Unternehmenssektors werfen kaum noch etwas ab.

Grafik 3: Dividendensaison kann kommen

SMI-Dividendenrendite (Trailing, zwölf Monate)

Grafik 3: Dividendensaison kann kommen
Stand: 16. Dezember 2015; Quelle: Factset, Commerzbank

Europäische Notenbanken: Kein Kurswechsel in Sicht

Gemäss unseren Analysten dürfte sich – zumindest auf dem alten Kontinent – an dem notorischen Zinstief wenig ändern. Die Europäische Zentralbank hat ihre expansive Gangart Ende 2015 noch einmal verstärkt. Derweil hielt die Schweizerische Nationalbank (SNB) an ihrem Kurs fest. Neben einem negativen Zielband für den Referenzzins 3-Monats-Libor umfasst dieser die Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren. »Der Franken ist trotz einer gewissen Abschwächung in den letzten Monaten nach wie vor deutlich überbewertet«, stellte die SNB in ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vom 10. Dezember 2015 fest. Inwieweit die jüngste, vor allem in Relation zum US-Dollar zu beobachtende Abwertung der heimischen Valuta den Konzernen in die Hände spielte, zeigt sich in den kommenden Wochen. Den Börsen steht die nächste Berichtssaison ins Haus. Im SMI macht der Inspektions- und Prüfkonzern SGS am 20. Januar den Anfang. Mit Novartis und Roche legen noch vor dem Monatsende zwei Indexschwergewichte ihre Resultate für 2015 vor. Neben den nackten Zahlen dürften Analysten vor allem die Prognosen der Manager unter die Lupe nehmen. Schliesslich spielt die globale Konjunkturentwicklung bei den international agierenden Grosskonzernen eine zentrale Rolle. Wie auch immer: Angesichts der makroökonomischen und geopolitischen Risiken müssen Investoren im neuen Jahr wohl weiterhin mit einem kräftigen Auf und Ab der Kurse rechnen. Den zentralen Argumenten für eine Positionierung in der Anlageklasse Aktien – Gewinnwachstum, Dividendenrendite und lockere Geldpolitik – sollte dies allerdings keinen Abbruch tun.