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SMIM: Tradingchancen in der zweiten Börsenreihe

Ende 2015 herrschte im Mid-Cap-Segment der Schweizer Börse noch eitel Sonnenschein. Der SMIM beendete das Jahr knapp oberhalb von 1.900 Punkten und zeigte eine 12-Monats-Performance von 8,7 Prozent. Damit stahlen die 30 Werte aus der zweiten Reihe den heimischen Large Caps die Show – der SMI gab 2015 leicht nach. Aus charttechnischer Sicht schien beim SMIM zum Jahreswechsel überdies der Boden für einen Angriff auf die im Juli 2007 erreichte Bestmarke von 1.985,80 Zählern bereitet. Bekanntlich kam es anders. Ende Januar notierte die Mid-Cap-Auswahl bei rund 1.800 Punkten und hatte damit gegenüber dem 2015er-Ultimo knapp 5 Prozent eingebüsst.

Diese Entwicklung zeigt, dass sich die mittelgrossen Börsengesellschaften der allgemeinen Stimmungslage an den Kapitalmärkten nicht entziehen können. Neben einer Reihe von Negativmeldungen aus China sorgte diesbezüglich vor allem der Ausverkauf am Ölmarkt für Verunsicherung. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verbilligte sich im bisherigen Jahresverlauf zwischenzeitlich um mehr als ein Viertel. Entsprechend nahmen die Sorgen vor grösseren Verwerfungen in der Ölindustrie zu. Gleichzeitig dürften die tieferen Energiepreise jedoch einer Reihe von Sektoren in die Hände spielen.

Unterstützung vom Währungsmarkt

Ein kleines »Konjunkturprogramm« liefert den heimischen Unternehmen derzeit auch der Währungsmarkt. Dort hat der Schweizer Franken zuletzt markant abgewertet. Beispielsweise verbilligte er sich in Relation zum US-Dollar auf Sicht von drei Monaten um 3,4 Prozent. Zwar fällt der Rückgang in Euro gerechnet deutlich geringer aus, doch die europäische Einheitswährung kletterte erstmals seit dem Anfang 2015 verkündeten Ende des Mindestkurses über die Marke von 1,10 Schweizer Franken. Hält diese Entwicklung an, dürfen die im vergangenen Jahr vom »Franken-Schock« gebeutelten Unternehmen auf eine spürbare Entlastung hoffen.

Grafik 1: Auf Tuchfühlung zur Bestmarke

SMIM: Kursentwicklung 10 Jahre

Grafik 1: Auf Tuchfühlung zur Bestmarke
Stand: 28. Januar 2016; Quelle: Thomson Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für künftige Wertentwicklung.

Noch aber sind die Resultate stark von den Wechselkursen beeinflusst. Das zeigen die ersten von Mitgliedern des SMIM vorgelegten Zahlen für 2015. Beispielsweise gewährte Lonza bereits einen Blick in den jüngsten Geschäftsgang. Der Pharmadienstleister verbuchte im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 4,5 Prozent. Zu konstanten Währungskursen hätte die Steigerungsrate 5,7 Prozent betragen. Beim operativen Kernergebnis (Core Ebit) schmälerte der starke Franken das Wachstum um 1,7 Prozentpunkte auf berichtete 10,3 Prozent. Ungeachtet dessen hat Lonza sämtliche mit dem 2012 eingeleiteten Konzernumbau gesteckten Ziele erreicht. Beim Core Ebit fiel die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate für diesen Zeitraum mit 10,2 Prozent sogar mehr als doppelt so hoch aus als ursprünglich anvisiert.

 

In puncto Dividende wachsen die Bäume dennoch nicht in den Himmel. Für 2015 sollen die Anteilseigner eine stabile Ausschüttung von 2,50 Franken je Aktie erhalten. Selbst wenn das Management des Life-Science-Konzerns in zwölf Monaten eine Schippe drauflegt, zeigt Lonza eine Dividendenrendite von weniger als 2 Prozent. Damit hinkt die Aktie dem SMIM hinterher. Laut Angaben des Datendienstleisters Factset beläuft sich diese viel beachtete Kennzahl für den gesamten Index auf 2,5 Prozent. Damit fällt die aktuelle Ausschüttungsrendite überdurchschnittlich hoch aus. Über einen historischen Zeitraum von zehn Jahren betrachtet betrug sie lediglich 2,2 Prozent.

 

Derweil bewegt sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf einem relativ hohen Niveau. Zuletzt notierte der SMIM bei gut dem 17-Fachen der für die kommenden zwölf Monate erwarteten Überschüsse seiner Mitglieder. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahrzehnt betrug die Bewertungskennziffer durchschnittlich 15,9. Hier passen die heimischen Mid Caps in ein derzeit für weite Teile des Aktienmarkts gültiges Schema: Während die Bewertung nicht günstig ist, liefern die hohen Ausschüttungen der Unternehmen ein Argument für diese Anlageklasse. Ganz zu schweigen von den angesichts eines notorischen Zinstiefs fehlenden Investment-Alternativen.

 

Ungeachtet dessen dürften in den kommenden Wochen die Trader im Mid-Cap-Segment auf ihre Kosten kommen. Weitere Unternehmen aus dem SMIM präsentieren ihre Jahresergebnisse. Nicht selten kommt es an den Zahlenterminen zu heftigen Kursreaktionen – nach oben oder nach unten. Nahezu zwei Drittel der Indexmitglieder zählen zum grossen Basiswertefundus der Commerzbank. Darunter befinden sich auch die Schwergewichte Lonza, Kühne + Nagel, Lindt & Sprüngli sowie Swiss Life. Letztgenanntes Unternehmen wird den SMIM übrigens am 18. März verlassen und anstelle von Transocean in den SMI aufsteigen. Die Nachfolge des Versicherers im Mid-Cap-Barometer tritt der Flughafen Zürich an.

Grafik 2: Dividenden als Pro-Argument

SMIM: Dividendenrendite (Trailing, 12 Monate)

Grafik 2: Dividenden als Pro-Argument
Stand: 20. Januar 2016; Quelle: Factset, Commerzbank

Grafik 3: Weiter über dem Durchschnitt

SMIM: Kurs-Gewinn-Verhältnis (Forward, 12 Monate)

Grafik 3: Weiter über dem Durchschnitt
Stand: 20. Januar 2016; Quelle: Factset, Commerzbank