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Commerzbank Analysen

Autoindustrie: Zwischen Vollgas und Fehlzündungen

Beim Schaulaufen der Autokonzerne auf dem traditionellen Automobil-Salon in Genf wird sich wieder einmal zeigen, wer in Sachen Technik, Design und Komfort die Nase vorne hat. Der Parcours, auf dem sich die Branche derzeit bewegt, wird allerdings immer holpriger. Weltweite Konjunktursorgen, ausgehend vom Hoffnungsträger China, drosseln nicht nur die Wachstumsgeschwindigkeit, auch bei den Aktienkursen zeigen sich Bremsspuren. Mit den richtigen Produkten sind aber Gewinne in beiden Richtungen möglich.

Noch ist das Jahr jung, doch der Höhepunkt des europäischen Autojahres befindet sich bereits in greifbarer Nähe. Anfang März findet mit dem 86. Internationalen Automobil-Salon in Genf die wichtigste Automesse in 2016 auf dem alten Kontinent statt. Bei diesem Branchentreffen präsentieren Traditionskonzerne wie auch Newcomer in aufwendigen Inszenierungen ihre aufpolierten Karossen. In den sechs voll besetzten Hallen im Palexpo gibt es zahlreiche Premieren vom klassischen Serienfahrzeug bis hin zum exklusiven Sportboliden zu bestaunen.

Eine Branche im »Gefühlschaos«

Meinungsforscher sind sich einig: Das Auto ist pure Emotion. Dies gilt nicht nur beim Kauf, sondern auch am Kapitalmarkt, wo der Sektor besonders empfindlich auf jede makroökonomische Veränderung reagiert. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – dieses Wechselbad der Gefühle beschreibt das Bild der Automobilindustrie in der jüngsten Vergangenheit wohl am treffendsten. Starteten im Frühjahr 2015 die Autoaktien noch eine regelrechte Rallye, das Branchenbarometer STOXX Europe 600 Automobiles & Parts beschleunigte sogar auf ein neues Allzeithoch bei 455 Punkten, schalteten die Valoren danach in den Rückwärtsgang. Plötzliche Sorgen um den Hoffnungsmarkt China verschreckten die Investoren. Dass diese auch begründet sind, zeigen die Exporte von BMW & Co. Bis zum Ende des Jahres 2015 schmolz zum Beispiel das Absatzplus des weiss-blauen Konzerns auf dem chinesischen Festland auf nur noch 1,7 Prozent zusammen. Noch schlechter lief es für die Premiumtochter des VW-Konzerns Audi, die im Gesamtjahr sogar ein kleines Minus von 1,4 Prozent bei den Auslieferungen im Reich der Mitte einstecken musste.

Bei Daimler, dem Dritten im deutschen Premiumbunde, sehen die Wachstumszahlen dagegen deutlich besser aus. Mercedes-Benz steigerte seine Verkäufe in der Volksrepublik um 32,6 Prozent. Allerdings ist die Marke mit dem Stern auch deutlich später als Audi und BMW in den Markt eingestiegen. Bei den absoluten Zahlen hinken die Stuttgarter rund ein Drittel hinter den Wettbewerbern hinterher. Nicht aber bei der Rendite, hier zog Daimler an seinen engsten Widersachern sogar vorbei. Nach drei Quartalen in 2015 glänzte die Autosparte mit einer operativen Marge von 10,2 Prozent. Audi erwirtschaftete im selben Zeitraum 9,2 Prozent, BMW gar »nur« 9,0 Prozent. Es ist vor allem die starke Modelloffensive, die Daimler aktuell auf Platz 1 im Rentabilitätsvergleich des Dreigespanns hält. Und das Tempo bei den Neueinführungen bleibt hoch. Auf der Detroit Auto Show zu Beginn des Jahres präsentierte Daimler die neue E-Klasse-Limousine.

Derzeit unschlagbar auf der Gewinnseite ist Toyota Motor. Zwar sind die Japaner ein Volumenhersteller und damit eigentlich bei weitem nicht so profitabel wie die Luxuswagenhersteller, doch wird das Ergebnis derzeit von einem Sonderfaktor beflügelt: dem günstigen Yen. So erreichte der Konzern in seinem Autogeschäft zum Halbjahr 2015/2016 eine operative Marge von 10,8 Prozent. Von derartigen Werten kann Konkurrent VW nur träumen. Aufgrund der Abgasmanipulationen haben die Wolfsburger zuletzt auch noch das Rennen um den Titel des grössten Autoherstellers der Welt an die Japaner verloren. Zwar wird sich der Skandal nicht schnell auflösen, allerdings gibt der neue Vorstandschef Matthias Müller sein Bestes, das ramponierte Image des Konzerns wieder aufzubessern. Der grosse Verkaufsdruck bei der Aktie scheint derweil gewichen zu sein, im Bereich von 100 Euro versucht der Titel nun eine Bodenbildung.

Grafik 1: Bewertungsvergleich (2016er-KGV)

 

Grafik 1: Bewertungsvergleich (2016er-KGV)
Stand: Januar   2016; Quelle: Dow Jones, Thomson Reuters
Grafik 2: Vergleich STOXX Europe 600 vs. DJ Automobiles & Parts

Indexiert (31.12.2006 = 100)

Grafik 2: Vergleich STOXX Europe 600 vs. DJ Automobiles & Parts
Stand: Januar   2016; Quelle: Thomson Reuters

USA im Leerlauf

Marktteilnehmer gehen zwar davon aus, dass der niedrige Ölpreis und der günstige Eurokurs die Autokonjunktur vor allem in Europa weiter anschieben könnte, jedoch wird sich das Wachstum abflachen. »Für 2016 erwarten wir ein deutlich bescheideneres Absatzplus für Pkw und Nutzfahrzeuge«, sagt der Vorsitzende des europäischen Herstellerverbands ACEA Dieter Zetschte. Auch auf dem US-Markt könnte durch die steigenden Zinsen Gegenwind drohen. Wurde 2015 noch ein neuer Verkaufsrekord erzielt, erwarten die Experten des Marktforschers PwC im laufenden Jahr aufgrund der erhöhten Finanzierungskosten eine Stagnation. Dennoch können einige US-Autobauer derzeit positiv von sich reden machen. Auch wenn die Zinsen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten in diesem Jahr steigen sollten, geht beispielsweise GM von weiter anziehenden Absätzen aus. Laut GM-Chefökonom Mustafa Mohatarem sind die wichtigsten Faktoren für eine starke Nachfrage nach Neuwagen gegeben: Beschäftigung und steigende Einkommen. Der Konzern rechnet daher 2016 mit dem zweiten Rekordjahr in Folge. Ford zeigt sich etwas vorsichtiger. Der Autobauer hat für 2016 einen Vorsteuergewinn auf dem Niveau von 2015 oder darüber in Aussicht gestellt. Allerdings zeigt der Konzern mit einer Sonderausschüttung von 1 Milliarde US-Dollar, dass er finanziell bestens aufgestellt ist.

Von Gewinnen fehlt dagegen bei Tesla jede Spur. Der Elektroautopionier wird noch Jahre brauchen, um in die schwarzen Zahlen zu kommen. Allerdings ist das im Moment Nebensache, im Fokus stehen derzeit die Einführung neuer Modelle und das damit verbundene Wachstumspotenzial. So wird Tesla sein Model X, ein siebensitziger SUV, auf dem Genfer Autosalon dem europäischen Publikum präsentieren. Zwar ist das Fahrzeug bereits serienreif, doch Probleme bei den Flügeltüren könnten den charismatischen Chef Elon Musk dazu zwingen, seine bisherige Produktionsplanung von 50.000 Einheiten im laufenden Jahr zu kürzen. Über das Wohl und Wehe des Konzerns dürfte aber letztendlich das Model 3 entscheiden, das 2017 auf den Markt kommen soll. Mit einem Verkaufspreis von rund 35.000 US-Dollar möchte Tesla damit in den Massenmarkt einsteigen.

»Back on the road«

Apropos Massenmarkt, hier ist auch der Peugeot-Konzern tätig. Nach einer jahrelangen Rückwärtsfahrt sind die Franzosen nun auf Comeback-Kurs. Dabei kommt Peugeot vor allem die Erholung in Europa entgegen. Auf dem alten Kontinent erzielt das Unternehmen mehr als 60 Prozent seiner Absätze. CEO Carlos Tavares möchte in Zukunft die Abhängigkeit von Europa etwas verringern und setzt dabei auf den Joint-Venture-Partner Dongfeng aus China. Noch lässt diese Partnerschaft zu wünschen übrig, 2015 wurde nur ein winziges Absatzplus erzielt. 2016 soll die Zusammenarbeit deutlich mehr Früchte tragen, knapp 8 Prozent Wachstum hat sich Peugeot vorgenommen. Unterstützung soll dabei von einem neuen Werk in China kommen. Der Analystenkonsens geht davon aus, dass die Franzosen ihren Turnaround 2016 fortsetzen können. Das Ergebnis je Aktie soll um 27 Prozent steigen. Zum Vergleich: Das 2016er-Kurs-Gewinn- Verhältnis liegt lediglich bei 7,9, also nicht einmal im Branchendurchschnitt. Dies zeigt das Potenzial, sollten sich die Erwartungen erfüllen.

Anlageidee: Ausgewählte Produkte auf Autoaktien und -indizes

Warrants

Valor

Basiswert

Typ

Strike

Laufzeit

Handelsplatz

31148953

BMW

Call

75,00 EUR

14.12.2016

Swiss DOTS

31083487

BMW

Put

80,00 EUR

14.12.2016

Swiss DOTS

31127763

Tesla Motors

Call

190,00 USD

15.09.2016

Swiss DOTS

31084436

Tesla Motors

Put

210,00 USD

15.09.2016

Swiss DOTS

Unlimited Turbo-Zertifikate

Valor

Basiswert

Typ

Stoppschwelle

Handelsplatz

31234661

Ferrari

Bull

49,9905 USD

Swiss DOTS

31234666

Ferrari

Bear

37,6200 USD

Swiss DOTS

31162873

Ford

Bull

10,0061 USD

Swiss DOTS

31234673

Ford

Bear

14,3200 USD

Swiss DOTS

29989013

VW Vz.

Bull

94,7200 EUR

Swiss DOTS

31127475

VW Vz.

Bear

124,1500 EUR

Swiss DOTS

Faktor-Zertifikate

Valor

Basiswert

Strategie

Faktor

Handelsplatz

28789724

Daimler

Long

4

Swiss DOTS

28789753

Daimler

Short

–4

Swiss DOTS

24859012

Peugeot

Long

3

SIX Swiss Exchange

24859017

Peugeot

Short

–3

SIX Swiss Exchange

ETF/Tracker-Zertifikat

Valor

Basiswert

Produkt

Gebühren

4561484

STOXX Europe 600 Automobiles & Parts Index

ETF

0,25 % p.a.

174219

Dow Jones Automobiles & Parts Titans 30

Tracker

0,00 % p.a.

Stand: 26. Januar 2016; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die massgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.ch bzw. www.comstage-etf.ch zur Verfügung.