Titelthema

Börsenbarometer mit langer Tradition und guten Perspektiven

Im Fokus: US-Aktienindizes

Die Wall Street gilt als der wichtigste Börsenplatz der Welt. Wenig überraschend sind hier auch die bekanntesten Aktienindizes beheimatet. Während der Dow Jones Industrial Average auf eine knapp 120-jährige Geschichte zurückblickt, wird der S&P 500 seit 1957 berechnet. Trotz einer deutlich kürzeren Historie hat auch der Nasdaq 100 viel zu bieten. Die Stars der Technologiebranche machen diesen Index zum Top-Performer der jüngeren Vergangenheit. Im dritten Teil unserer Serie stellen wir die Wall Street-Barometer vor und gehen auf ihre aktuelle Verfassung ein. Natürlich dürfen dabei ausgewählte Hebelprodukte auf die drei Benchmarks sowie interessante Einzelwerte nicht fehlen.

Am 26. Mai steht an der Wall Street ein besonderes Jubiläum an: Die Einführung des Dow Jones Industrial Average jährt sich zum 120. Mal. Am 26. Mai 1896 fiel der Startschuss für den heute bekanntesten Börsenindex der Welt. Die Auswahl wurde von Charles Dow ins Leben gerufen und zunächst mit zwölf Unternehmen bestückt. Mit dem Dow Jones Industrial Average Index wollte der Wirtschaftswissenschaftler und Journalist ein klares und einfaches Barometer für den Aktienmarkt und damit auch für die gesamte US-Wirtschaft schaffen. Visionär war sein Schritt nicht nur, weil diese Anlageklasse Ende des 19. Jahrhunderts noch eine untergeordnete Rolle spielte – Investoren bevorzugten das Obligationensegment. Zudem gab es keine Computer, um den Indexstand fortlaufend und vollautomatisch festzustellen. Vielmehr benutzte Dow Stift und Papier. Er addierte einfach die Kurse der enthaltenen Aktien auf und dividierte ihre Summe durch die Zahl der Mitglieder. Dieser Vorgehensweise verdankt der Index seinen Namenszusatz »Average«.

Knapp 120 Jahre später gilt die Methodik zwar als veraltet, zumal für die Auswahl der Mitglieder keine quantitativen Kriterien gelten und Umstellungen nur bei Bedarf erfolgen. Dem hohen Bekanntheitsgrad des Dow Jones kann dies jedoch keinen Abbruch tun. Nach Angaben des Indexanbieters S&P Dow Jones Indices ist er der in Presse, Fernsehen und Internet am häufigsten erwähnte Marktindikator. Der Dienstleister führt die Popularität neben der Langlebigkeit auf die verständliche Bauweise sowie eine zuverlässige Wiedergabe des grundsätzlichen Markttrends zurück. In der Tat enthält der mittlerweile mit 30 Komponenten bestückte Index ausnahmslos Konzerne, die in ihrer jeweiligen Branche eine führende Rolle spielen.

Prominente Indexmitglieder

In der aktuellen Zusammensetzung des Dow Jones Industrial Average ist mit General Electric noch ein Gründungsmitglied enthalten. Zu dem Industriekonzern gesellt sich das »Who’s who« der US-amerikanischen Unternehmenslandschaft. Apple, Coca-Cola und Goldman Sachs sind nur drei Beispiele für die prominente Besetzung.

Im Vorfeld des 120. Jubiläums konsolidiert die Benchmark auf hohem Niveau (siehe Grafik 1). Zuvor hatte er jedoch innerhalb kurzer Zeit mehrere Meilensteine erreicht. Nachdem der Dow Jones 2013 die runden Marken von 15.000 und 16.000 Punkten erreicht hatte, knackte er im Jahr darauf die nächste 1.000er-Schwelle. Am 19. Mai 2015 markierte der Index mit 18.351,36 Zählern seine bisherige historische Bestmarke. Trotz der jüngsten Rallye liegen die stärksten Jahre lange zurück. Seine bisher beste Performance fuhr der Index kurz vor dem Zweiten Weltkrieg ein. An Silvester 1933 stand ein Plus von gut zwei Dritteln zu Buche. Zwei Jahre zuvor war er um mehr als die Hälfte eingebrochen und hatte damit seine bisher schwächste Periode beendet (siehe Grafik 2).

Grafik 1: Technologieaktien an der Spitze

Dow Jones Industrial Average vs. S&P 500 vs. Nasdaq 100 – 5 Jahre

Grafik 1: Technologieaktien an der Spitze
Stand: Januar 2016; Quelle: Thomson Reuters
Grafik 2: Enorme Kursausschläge

Dow Jones Industrial Average: die besten und die schwächsten Jahre

Grafik 2: Enorme Kursausschläge
Stand: Januar 2016; Quelle: S&P Dow Jones Indices

Was die kurzfristige

Seitwärtsbewegung anbelangt, marschiert die Traditionsbenchmark im

Gleichschritt mit ihrem jüngeren Pendant, dem S&P 500. Dieser

Gradmesser für die Wall Street blickt auf eine knapp 60-jährige

Geschichte zurück. 1957 wurde er als erster nach Marktkapitalisierung

gewichteter Aktienindex der USA lanciert. Für den S&P 500 kommen nur

Gesellschaften in Frage, bei denen mindestens die Hälfte der

ausstehenden Anteilscheine handelbar ist. Zudem müssen sie eine adäquate

Liquidität und Markttiefe sowie einen Börsenwert von 5,3 Milliarden

US-Dollar oder mehr aufweisen. Darüber hinaus sollten sowohl die

jüngsten vier Quartale in der Summe als auch das gerade abgeschlossene

Vierteljahr ein positives Ergebnis ausweisen. Ende 2015 waren 504

Gesellschaften in dem Index enthalten, für den ein vierteljährliches

Rebalancing stattfindet. Sie brachten es zusammen auf eine

Kapitalisierung von gut 18,7 Billionen US-Dollar, was rund 80 Prozent

des gesamten US-Aktienmarkts entspricht.

Breite

Diversifikation

Zum genannten Zeitpunkt waren

zehn verschiedene Sektoren im S&P 500 enthalten, wobei die

IT-Branche mit einem Gewicht von mehr als 20 Prozent den Ton angab

(siehe Grafik 3). Die diversifizierte Ausrichtung kommt bei den

Investoren an. Der Index dient als Benchmark für eine Anlagesumme von

mehr 7,8 Billionen US-Dollar. Egal, ob die Positionierung über Exchange

Traded Funds, Zertifikate oder klassische Investmentfunds erfolgte: In

der jüngeren Vergangenheit warf der S&P 500 hohe Gewinne ab. Obwohl

die Finanz- und Immobilienkrise 2008 für einen starken Ausverkauf

sorgte, steht auf 10-Jahres-Sicht ein annualisierter Gesamtertrag (Total

Return) von mehr als 7 Prozent zu Buche. Gleichwohl liess die Dynamik

spürbar nach, seit der Index einen Tag nach dem Dow Jones sein jüngstes

Allzeithoch erreichte.

Grafik 3: Breit gestreuter Leitindex

S&P 500: Aufteilung nach Sektoren

Grafik 3: Breit gestreuter Leitindex
Stand: Januar 2016; Quelle: S&P Dow Jones Indices

Mehrere Faktoren nahmen den Bullen in den vergangenen Monaten den Mut. Insbesondere die anstehende Zinswende in den USA sorgte für Verunsicherung. Bekanntlich schraubte die Fed den Leitsatz Mitte Dezember 2015 erstmals seit mehr als neun Jahren nach oben, gleichzeitig bereitete Notenbankchefin Janet Yellen die Märkte auf weitere Schritte vor. Massgeblich seien dabei die Entwicklung von Konjunktur und Inflation. »Auch nach der Erhöhung stimuliert unsere Geldpolitik die Wirtschaft weiter«, machte Yellen deutlich. Nicht zuletzt die Lage in China spricht dafür, dass die Fed vorsichtig agiert. Negative Meldungen aus der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft und damit einhergehende Börsenturbulenzen an den lokalen Aktienmärkten sorgten auch an der Wall Street für heftige Ausschläge. 2016 begann für den S&P 500 – gemessen an der Kursentwicklung der ersten fünf Handelstage – sogar mit dem schwächsten Jahresauftakt seiner Geschichte.

Gewinnwachstum erwartet

Neben der Geldpolitik sowie der Lage im Reich der Mitte dürfte die Entwicklung bei den Unternehmen eine zentrale Rolle für die Aussichten des US-Aktienmarkts spielen. Im vergangenen Jahr drosselte der Gewinnmotor die Drehzahl deutlich. Laut einer Auswertung des Datendienstleisters Factset erwarten Analysten für den S&P 500 im Schnitt ein Ergebnis je Aktie (EPS) von 117,62 Indexpunkten. Damit hätte sich der Profit gegenüber der Vorperiode um weniger als 1 Prozent erhöht. Als Bremsklotz entpuppte sich vor allem der Energiesektor. Im Zuge der fallenden Ölpreise dürfte der Gewinn in dem Wirtschaftszweig um mehr als die Hälfte geschrumpft sein. Derweil traut der Marktkonsens den Telekommunikationsdienstleistern, der Healthcarebranche sowie den Sektoren Finanzen und Nicht-Basiskonsumgüter prozentual zweistellige Wachstumsraten zu.

Letztgenanntem Wirtschaftszweig spielen die reduzierten Energiepreise in die Hände. Das zeigt ein Blick auf die Schätzungen für das neue Jahr. Mit einem Plus von 14,3 Prozent fällt die erwartete Gewinnsteigerung für den Sektor, in dem prominente US-Marken wie Amazon, McDonald’s oder Nike beheimatet sind, am höchsten aus. Auch insgesamt rechnen die Experten mit einer Tempoerhöhung. Laut Factset liegt der Konsens für das 2016er-EPS im S&P 500 bei 124,57 Punkten. Daraus errechnet sich ein Wachstum von knapp 6 Prozent. Im kommenden Jahr soll sich der Profit der 500 Top-Unternehmen sogar um 12,8 Prozent ausdehnen (siehe Grafik 4).

Grafik 4: Gewinnmotor erhöht die Drehzahl

S&P 500-Unternehmen: Gewinnentwicklung

Grafik 4: Gewinnmotor erhöht die Drehzahl
Stand: Januar 2016; Quelle: Factset

Ihrem Ruf als Wachstumsunternehmen könnten schon bald auch die Mitglieder des Nasdaq 100 einmal mehr gerecht werden. Nachdem der Indexgewinn im vergangenen Jahr nur moderat vorankam, soll er 2016 um nahezu ein Viertel nach oben schnellen. Damit würde das Barometer die stärkste Steigerung seit 2011 erreichen. Neben der robusten US-Wirtschaft könnten sich nachlassende Wechselkurseinflüsse positiv auswirken. Die enorme Aufwertung beim US-Dollar hatte vielen Konzernen zuletzt einen dicken Strich durch ihre Erfolgsrechnung gemacht. Trotz der skizzierten Aussichten musste auch der Nasdaq 100 Anfang des Jahres Federn lassen. In den ersten drei Handelswochen gab er um mehr als 7 Prozent nach.

Highflyer aus dem Techsektor

Die längerfristige Erfolgsbilanz kann diese Entwicklung kaum schmälern. Auf Sicht von fünf Jahren steht ein Wertzuwachs von knapp 90 Prozent zu Buche. Damit hängte der Nasdaq 100 die beiden anderen vorgestellten Wall Street-Gradmesser deutlich ab (siehe Grafik 1). In dem Anfang 1985 lancierten Barometer sind die grössten an der Technologiebörse Nasdaq kotierten Gesellschaften zu finden. Dabei bleibt lediglich der Finanzsektor aussen vor. Aus regionaler Sicht kommen neben US-Unternehmen auch internationale Firmen in Frage. Seine bisher schwierigste Zeit erlebte der Index nach der Jahrtausendwende, das Platzen der New-Economy-Blase liess ihn dramatisch abstürzen. Mittlerweile hat die Auswahl diese Scharte ausgewetzt. Die Rallye der vergangenen Jahre ging mit eindrucksvollen Fundamentaldaten einher. Beispielsweise schütteten die Nasdaq 100-Mitglieder im Jahr 2014 Dividenden in Höhe von insgesamt mehr als 50 Milliarden US-Dollar aus. Damit hatte sich die Summe gegenüber dem Niveau von 2009 mehr als verdreifacht.

In diesem Höhenflug kommt auch der immense Wandel der US-Wirtschaft zum Ausdruck. Zur Gründungszeit des Nasdaq 100 waren im Technologiesektor viele Anbieter von Nischenprodukten zu finden. Beispiel Apple: Zwar stand der Computerkonzern 1985 bereits auf dem Kurszettel, allerdings steckte er in einer Krise, welche auch den Abgang von Steve Jobs beinhaltete. In den Neunzigerjahren kehrte der Mitbegründer des Unternehmens zurück. Mit revolutionären Entwicklungen wie iPod, iPhone oder MacBook revolutionierte der 2011 verstorbene Pionier den Technologiemarkt und machte Apple zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Die Liste der Nasdaq-Schwergewichte (siehe Tabelle 1) ist gespickt mit weiteren Gesellschaften, die es vom kleinen Start-up zum Konzern von Weltrang gebracht haben.

Tabelle 1: Nasdaq 100 – die Schwergewichte

Unternehmen

Indexanteil

Apple

11,35 %

Microsoft

8,53 %

Amazon

5,61 %

Alphabet C

5,03 %

Facebook

4,52 %

Alphabet A

4,33 %

Intel

2,94 %

Gilead Sciences

2,77 %

Comcast

2,76 %

Cisco Systems

2,51 %

Stand: Januar 2016; Quelle: Commerzbank

Ausgewählte Hebelpapiere auf US-Aktien und -Indizes

Warrants

Valor

Basiswert

Typ

Strike

Laufzeit

Handelsplatz

31127733

Amazon

Call

560,00 USD

14.09.2016

Swiss DOTS

31085659

Amazon

Put

600,00 USD

14.09.2016

Swiss DOTS

31084368

Facebook

Call

90,00 USD

14.09.2016

Swiss DOTS

31084380

Facebook

Put

95,00 USD

14.09.2016

Swiss DOTS

31084306

Alphabet C

Call

700,00 USD

14.09.2016

Swiss DOTS

31084316

Alphabet C

Put

680,00 USD

14.09.2016

Swiss DOTS

Unlimited Turbo-Zertifikate

Valor

Basiswert

Typ

Stoppschwelle

Handelsplatz

27836721

Dow Jones Industrial-Index

Bull

14.341,3892 Pkt.

Swiss DOTS

31127231

Dow Jones Industrial-Index

Bear

17.005,8007 Pkt.

Swiss DOTS

27836890

Nasdaq 100-Index

Bull

3.724,5085 Pkt.

Swiss DOTS

31127254

Nasdaq 100-Index

Bear

4.480,0000 Pkt.

Swiss DOTS

27836935

S&P 500-Index

Bull

1.712,2067 Pkt.

Swiss DOTS

31127265

S&P 500-Index

Bear

2.014,6671 Pkt.

Swiss DOTS

30026661

Coca-Cola

Bull

39,78 USD

Swiss DOTS

30541244

Coca-Cola

Bear

45,65 USD

Swiss DOTS

30394124

Microsoft

Bull

48,13 USD

Swiss DOTS

30953438

Microsoft

Bear

55,39 USD

Swiss DOTS

Faktor-Zertifikate

Valor

Basiswert

Strategie

Faktor

Handelsplatz

23378122

Dow Jones Industrial-Index

Long

3

SIX Swiss Exchange

23378123

Dow Jones Industrial-Index

Short

–3

SIX Swiss Exchange

23378118

Nasdaq 100-Index

Long

3

SIX Swiss Exchange

23378119

Nasdaq 100-Index

Short

–3

SIX Swiss Exchange

20714833

S&P 500-Index

Long

6

SIX Swiss Exchange

28025310

S&P 500-Index

Short

–6

SIX Swiss Exchange

24094647

Apple

Long

4

SIX Swiss Exchange

24094681

Apple

Short

–4

SIX Swiss Exchange

24094657

General Electric

Long

4

SIX Swiss Exchange

24094691

General Electric

Short

–4

SIX Swiss Exchange

Stand: 25. Januar 2016; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die massgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.ch zur Verfügung.