Titelthema

Rohstoffe: Anlageklasse mit Tradition und Tradingchancen

Nach einer jahrelangen Talfahrt konnten die Rohstoffpreise im ersten Quartal 2016 Boden gutmachen. Während Gold als Krisenwährung gefragt war, hauchte die Hoffnung auf eine Angebotsverknappung Öl neue Energie ein. Sowohl hier als auch bei Industriemetallen und Agrarwaren entpuppte sich die US-Dollar-Abwertung als zusätzlicher Treiber. Zwar dürfte es zu früh sein, für die gesamte Anlageklasse eine Trendwende auszurufen. Interessante Tradingchancen bieten sich im breiten Rohstoffspektrum aber allemal.

Mit knapp 2,7 Millionen Einwohnern ist Chicago die drittgrösste Stadt der USA. Nur elf Jahre nach ihrer Gründung 1837 wurde der Illinois & Michigan Canal als Wasserverbindung zwischen den grossen Seen und dem Mississippi eröffnet. Er machte Chicago zum wichtigen Handelszentrum. Ein Status, der bis heute währt: Beispielsweise passiert die Hälfte sämtlicher US-Eisenbahntransporte die Metropole am Südwestufer des Michigansees. Zu den Wahrzeichen der Grossstadt zählt das Chicago Board of Trade (CBOT) im Finanzdistrikt. Auf der Spitze des 1930 eröffneten, im Art-déco-Stil der späten Zwanzigerjahre gehaltenen Wolkenkratzers thront Ceres, die römische Göttin des Getreides und der Ernte. Die 9,50 Meter hohe und 5,5 Tonnen schwere Aluminiumstatue soll die Verbindung der 1848 gegründeten Warenterminbörse zur Landwirtschaft symbolisieren.

Heute gehört das CBOT zur CME Group, dem führenden Handelsplatz für Terminkontrakte aller Art. Rohstoffe dominieren: Im vierten Quartal 2015 standen Energieträger, Agrarwaren und Metalle für mehr als ein Drittel der CME-Umsätze. Während es mit den Volumen sukzessive nach oben ging, gaben die Preise in den vergangenen Jahren deutlich nach. Beispielsweise büsste der Dow Jones Commodity Index allein 2015 rund ein Viertel ein (siehe Grafik 1). Damit hat sich die seit 2011 zu beobachtende Abwärtsbewegung dieser alternativen Anlageklasse noch einmal beschleunigt. Als Hauptursachen für die Talfahrt gelten die sich quer durch die Rohstoffgattungen ziehende üppige Versorgungslage sowie eine Wachstumsabschwächung in wichtigen Schwellenländern, allen voran China. Hinzu kommt die US-Dollar-Stärke. In der Aussicht auf steigende Zinsen wertete der mit den »Commodities« prinzipiell negativ korrelierte Greenback in den vergangenen beiden Jahren markant auf.

Grafik 1: Rebound auf niedrigem Niveau

Dow Jones Commodity Index – zwei Jahre

Grafik 1: Rebound auf niedrigem Niveau
Stand: März 2016; Quelle: Thomson Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Entwicklung.

Noch im Januar sah es ganz danach aus, als würde sich an der skizzierten Konstellation auch 2016 wenig ändern. Während der US-Dollar sein hohes Niveau verteidigte, brach der Dow Jones Commodity Index auf den niedrigsten Stand seit 2003 ein. Doch dann bestätigte sich einmal mehr eine genau so alte wie simple Börsenweisheit: »Es kann nicht nur in eine Richtung gehen.« Der Rohstoff-Gradmesser drehte nach oben. Gegenüber dem Tiefpunkt des 20. Januar 2016 konnte er mittlerweile 12 Prozent aufholen.

Energie: Ölschwemme lässt nach
Einen sprichwörtlichen Energieschub verpassten der Anlageklasse die Ölpreise. Das schwarze Gold und verwandte Erzeugnisse steuern traditionell einen bedeutenden Teil zu diversifizierten Rohstoffindizes bei. Nachdem ein Barrel Brent im Januar erstmals seit 2004 für weniger als 30 US-Dollar zu haben war, kam es zu einem kräftigen Rebound. Innerhalb von zwei Monaten verteuerte sich die Nordseesorte um mehr als die Hälfte. Ein Stück weit lassen sich die Avancen als fällige technische Gegenreaktion erklären. Allerdings gibt es auch fundamentale Gründe für den kurzfristigen Preisanstieg. Am 17. April treffen sich in Doha 15 Ölproduzentenländer. »Dort soll eine Deckelung der Ölproduktion beschlossen werden, auf welche sich Russland und Saudi-Arabien Mitte Februar verständigt hatten«, erklärt Carsten Fritsch, Analyst bei Commerzbank Commodity Research. Zwar ist noch offen, ob der Iran an der Zusammenkunft teilnehmen wird. Die Chancen, dass es zumindest zu einer Kappung der immensen Fördermengen kommt, sind dennoch gestiegen. Insofern könnte die massive Überversorgung am globalen Ölmarkt nachlassen.

Die Internationale Energieagentur IEA sieht jedenfalls den Boden bei den Ölpreisen erreicht. Im März hat sie ihre Schätzung für das aus nicht zur Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) zählenden Staaten kommende Angebot nach unten revidiert. Dadurch soll der Bedarf an OPEC-Öl im zweiten Halbjahr auf 32,8 Millionen Barrel pro Tag steigen. »Sofern die OPEC ihre Produktion vom gegenwärtigen Niveau nicht weiter erhöht, wäre der Ölmarkt in der zweiten Jahreshälfte ausgeglichen«, erklärt Fritsch. Von entscheidender Bedeutung ist bei diesem Szenario das Verhalten der US-Förderer. Sie zollten den niedrigen Preisen bereits Tribut. Im März schrumpfte die Zahl der aktiven Ölbohrungen unter 400 und damit auf das geringste Niveau seit Dezember 2009 (siehe Grafik 2). »Die Zahl der aktiven Öl- und Gasbohrungen zusammengenommen ist sogar auf den niedrigsten Stand seit mindestens 1940 gefallen«, ergänzt der Experte. Vor dem Hintergrund der gedrosselten US-Produktion geht Commerzbank Commodity Research davon aus, dass sich der Ölpreis weiter erholt. Zum Ende des Jahres lautet die Analystenprognose sowohl für Brent als auch die US-Sorte WTI auf 50 US-Dollar je Barrel.

Grafik 2: Preisverfall hinterlässt Spuren

Aktive Ölbohrungen Nordamerika

Grafik 2: Preisverfall hinterlässt Spuren
Stand: März 2016; Quelle: Baker Hughes

Edelmetalle: Neuer Glanz
Energie ist nicht das einzige Rohstoffsegment, bei dem die Zwischenbilanz für 2016 zum Ende des ersten Quartals positive Vorzeichen trägt. Deutlich nach oben ging es in den vergangenen drei Monaten auch im Edelmetallbereich. Wobei beim wichtigsten Vertreter, Gold, sogar ein Plus von knapp 18 Prozent zu Buche steht. Damit scheint ein Ende der seit 2011 laufenden Baisse möglich. Offenbar haben viele Investoren eine wesentliche Eigenschaft des Edelmetalls wieder für sich entdeckt: Gold gilt seit jeher als sicherer Hafen in Krisenzeiten sowie als Ersatzwährung. An Motiven, vermeintlich sichere Positionen in das Portfolio aufzunehmen, herrschte zuletzt kein Mangel. Vor allem die Wachstumsabschwächung in China und damit einhergehende Turbulenzen an den lokalen Aktienmärkten liessen die Risikoaversion der Investoren steigen. Einen Beleg für diese These liefert die Entwicklung bei physisch hinterlegten Exchange Traded Funds, kurz ETFs. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters hielten die wichtigsten Anlageprodukte dieser Art Mitte März gut 1.500 Tonnen des gelben Metalls – rund ein Fünftel mehr als Ende 2016.

»Auch seitens der Zentralbanken gab es eindeutig positive Signale für Gold«, ergänzt Eugen Weinberg, Head of Commodity Research bei der Commerzbank. Ende Januar hat die Bank of Japan ihren Leitzins überraschend in den negativen Bereich gesenkt. »Damit folgte sie der EZB, der Schweizerischen Nationalbank und der schwedischen Riksbank, welche bereits Negativzinsen eingeführt hatten«, weiss der Experte. Ein Übriges tat die US-Notenbank. Nach ihrer März-Sitzung signalisierte sie, dass die Zinsen im laufenden Jahr nicht so stark steigen sollen, wie noch im Dezember 2015 angedacht. Konkret implizieren die Fed-Projektionen nur noch zwei Erhöhungen statt der zuvor projizierten vier Anhebungen. Da Gold selbst keine laufenden Erträge abwirft, schmälern steigende Renditen am Rentenmarkt den Reiz des Edelmetalls. Allerdings stehen nach Ansicht der Commerzbank-Analysten moderate Zinserhöhungen einem steigenden Goldpreis nicht entgegen.

Industriemetalle: Kupfer ist knapp
Wie auch immer: Im Anschluss an die Fed-Sitzung gab der US-Dollar deutlich nach, was im gesamten Warenspektrum für steigende Notierungen sorgte. Das gilt auch und gerade für Industriemetalle. Der wichtigste Vertreter dieser Kategorie, Kupfer, kletterte über die runde Marke von 5.000 US-Dollar je Tonne und erreichte ein 4-Monats-Hoch. Unterstützung bekamen die Industriemetalle auch von einer Meldung aus China. Nach Angaben des Nationalen Statistikbüros sind die Hauspreise im Reich der Mitte im Februar im Durchschnitt so stark wie seit fast zwei Jahren nicht mehr gestiegen. Vor allem in den grossen Städten zogen sie stark an. Laut Commerzbank Commodity Research hat dies die Erwartungen hinsichtlich einer robusten Nachfrage nach Metallen im Allgemeinen und nach Kupfer im Speziellen geschürt. Immerhin ist der Immobiliensektor in China der zweitgrösste Abnehmer des roten Metalls. Anders als bei Öl ist die Versorgungslage bei Kupfer prekär. In ihrer aktuellen Prognose geht die International Copper Study Group (ICSG) davon aus, dass die globale Nachfrage im laufenden Jahr das Angebot um 56.000 Tonnen übertrifft. Behält die Institution Recht, würde der Kupfermarkt das siebte Angebotsdefizit in Folge erleben (siehe Grafik 3). Im kommenden Jahr halten die Experten einen kleinen Überschuss von 20.000 Tonnen für möglich. Nach Ansicht der Commerzbank-Analysten könnte es jedoch zu stärkeren Angebotskürzungen kommen, falls der Preis des Metalls niedrig bleibt oder wieder fällt – sie sollten die Notierung schlussendlich wiederum unterstützen.

Grafik 3: Jahrelange Unterversorgung

Globaler Kupfermarkt: Saldo Angebot/Nachfrage

Grafik 3: Jahrelange Unterversorgung
Stand: März 2016; Quelle: ICSG; e = erwartet

Agrar: Zucker mit Tradingsignal
Deutliche Divergenzen zeigen die Marktbilanzen im Agrarbereich. Bei Weizen, Mais und Sojabohnen ist die Versorgungslage entspannt. Dagegen herrscht bei den sogenannten »Soft Commodities« eine relative Knappheit. Beispiel Zucker: Erstmals seit sechs Jahren dürfte der Weltmarkt in der laufenden Ernteperiode 2015/2016 ein Angebotsdefizit erleben. Im Februar schraubte die Internationale Zuckerorganisation ISO den erwarteten Fehlbetrag um mehr als 40 Prozent auf 5,02 Millionen Tonnen nach oben. Ein Grund für die Knappheit ist das Klimaphänomen El Niño. Es beeinträchtigte die Ernte auf den Plantagen in Südamerika und Asien. Hinzu kommt eine hohe Nachfrage nach Bioethanol in Brasilien. Sie sorgt dafür, dass das grösste Anbauland geringere Mengen des weissen Kristalls exportiert. »Ein statistisches Defizit ist für die Weltpreise eindeutig unterstützend«, machte die ISO bei der Vorlage ihrer jüngsten Prognose deutlich. Diese Einschätzung hat sich rasend schnell bewahrheitet. Seit die Organisation ihre ausgedehnte Defiziterwartung publiziert hat, schnellte der nächstfällige Zucker-Terminkontrakt um 29 Prozent nach oben. Das aktuelle Chartbild (siehe Grafik 4) dürfte so manchen Trader aufhorchen lassen. Der Süssstoff hat ein markantes Widerstandsareal im Bereich von 15 US-Cent dynamisch überwunden.

Grafik 4: Ausbruch nach oben

Zucker – ein Jahr

Grafik 4: Ausbruch nach oben
Stand: März 2016; Quelle: Thomson Reuters

Apropos Trading: An Gelegenheiten, kurzfristig auf Preisbewegungen zu setzen, herrscht in der Anlageklasse Rohstoffe kein Mangel. Die Commerzbank bietet eine Vielzahl von strukturierten Produkten an, mit denen sich Anleger sowohl auf der Long- als auch der Short-Seite positionieren können. Wir haben, getrennt nach den Bereichen Energie, Edel- und Industriemetalle sowie Agrar, eine Auswahl an entsprechenden Vehikeln zusammengestellt. Diese Hebelprodukte machen es möglich, nach kurzfristigen Renditequellen in der Welt der Rohstoffe Ausschau zu halten. Bitte beachten Sie: Falls das jeweils zugrunde liegende Trading-Kalkül nicht aufgeht, können hohe Verluste entstehen.

Ausgewählte Hebelpapiere auf Rohstoffe

Energie

Valor

Produkt

Basiswert

Typ

Strike

Laufzeit

Handelsplatz

31805153

Unlimited Turbo-Zertifikat

Brent

Bull

32,0666 USD

Open End

Swiss DOTS

31949072

Unlimited Turbo-Zertifikat

Brent

Bear

49,00 USD

Open End

Swiss DOTS

26881375

Faktor-Zertifikat

Brent

4x Long

Open End

SIX

20769619

Faktor-Zertifikat

Brent

4x Short

Open End

SIX

31812313

Unlimited Turbo-Zertifikat

WTI

Bull

34,8479 USD

Open End

Swiss DOTS

31812304

Unlimited Turbo-Zertifikat

WTI

Bear

46,7111 USD

Open End

Swiss DOTS

Edelmetalle

Valor

Produkt

Basiswert

Typ

Faktor

Laufzeit

Handelsplatz

29114014

Faktor-Zertifikat

Gold

Long

5

Open End

Swiss DOTS

29114015

Faktor-Zertifikat

Gold

Short

–5

Open End

Swiss DOTS

11814642

Faktor-Zertifikat

Gold

Long

3

Open End

SIX

11814640

Faktor-Zertifikat

Gold

Short

–3

Open End

SIX

29114016

Faktor-Zertifikat

Silber

Long

5

Open End

Swiss DOTS

29114017

Faktor-Zertifikat

Silber

Short

–5

Open End

Swiss DOTS

Industriemetalle

Valor

Produkt

Basiswert

Typ

Faktor

Laufzeit

Handelsplatz

31812375

Unlimited Turbo-Zertifikat

Kupfer

Bull

1,9016 USD

Open End

Swiss DOTS

31812369

Unlimited Turbo-Zertifikat

Kupfer

Bear

2,5979 USD

Open End

Swiss DOTS

24069938

Faktor-Zertifikat

Kupfer

4x Long

Open End

SIX

12306906

Faktor-Zertifikat

Kupfer

4x Short

Open End

SIX

Agrarrohstoffe

Valor

Produkt

Basiswert

Typ

Faktor

Laufzeit

Handelsplatz

31812390

Unlimited Turbo-Zertifikat

Zucker

Bull

0,1351 USD

Open End

Swiss DOTS

31812382

Unlimited Turbo-Zertifikat

Zucker

Bear

0,1848 USD

Open End

Swiss DOTS

24859264

Faktor-Zertifikat

Zucker

4x Long

Open End

SIX

12843006

Faktor-Zertifikat

Zucker

4x Short

Open End

SIX

31812364

Unlimited Turbo-Zertifikat

Kaffee

Bull

1,0509 USD

Open End

Swiss DOTS

31812359

Unlimited Turbo-Zertifikat

Kaffee

Bear

1,4988 USD

Open End

Swiss DOTS

Stand: Februar 2016; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die massgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.ch zur Verfügung.