Commerzbank Analysen

Commerzbank Analysen

Airbus Group – Langfristige Perspektiven herausragend

Das volle Orderbuch sichert das Geschäft auf lange Zeit ab, die vielen Aufträge müssen ohne Probleme abgearbeitet werden. Die Risiken des Produktionshochlaufs der neuen Modelle und daraus resultierende Kosten kommen nicht überraschend und sollten prinzipiell in den Analystenschätzungen enthalten sein. Wir rechnen kurzfristig allenfalls mit zusätzlich auftretenden und dadurch verschmerzbaren Einmalkosten. Der Kurseinbruch erscheint uns übertrieben. Wir sehen eine entsprechende Einstiegschance.

Neuentwicklungen am Start
Der neue A350 brachte wie das neue Kurz- und Mittelstreckenflugzeug A320neo schon vor Produktionsbeginn ungeahnte Vertriebserfolge. Mittelfristig sieht es für Airbus daher aufgrund des überquellenden Orderbuchs gut aus. Prägend ist insbesondere die Nachfrage aus dem Mittleren Osten und aus Asien insgesamt. Neue Flugzeuge profitieren von einer deutlich höheren Effizienz nicht nur beim Treibstoffverbrauch. Dass sich dieses hohe Niveau bei den Auftragseingängen nicht durchhalten lässt, ist allen Marktteilnehmern klar, die langen Lieferzeiten fordern ihren Tribut. Der hohe Bestand sollte auch die eine oder andere konjunkturelle Auslieferungsverschiebung der Kunden kompensieren.

Weiter verbesserte Produktpalette
Airbus hat ebenfalls ein Update für den Langstreckenflieger A330 angekündigt. Das Flugzeug bekommt modernere Triebwerke, die den Flieger wesentlich effizienter machen. Erstauslieferung soll Ende 2017 sein. Die damit verbundenen zusätzlichen Entwicklungskosten werden die Marge aber in den kommenden Jahren bis zur Markteinführung belasten. Mittelfristig wird die Produktpalette damit attraktiver als bisher. Airbus hat trotzdem noch einmal einen Grossauftrag für den alten A330 aus China gewonnen. Trotz wahrscheinlicher Preiszugeständnisse hilft das einer kontinuierlichen Kapazitätsauslastung während der Produktionsumstellung.

A380 weiter mit Risiken
Beim A380 sieht Airbus das Erreichen der Gewinnschwelle. Ob das nachhaltig ist, erscheint fraglich. Es fehlen weiter Anschlusskunden für den A380. Wir rechnen damit, dass auch hier vor dem Erfolg des Riesen eine Bestückung mit moderneren Triebwerken notwendig wird. Das würde dann aber wieder zu neuen Entwicklungskosten führen.

Budgetrestriktionen im Verteidigungsgeschäft
Der Verteidigungsbereich fällt dagegen eher durch einen stabilen Ergebnisbeitrag auf, wobei die strukturellen Probleme durch deutliche Budgetkürzungen, insbesondere im Heimatmarkt Europa, zunehmen. In der Zukunft werden aussereuropäische Exportmärkte von herausragender Bedeutung sein. Airbus stösst für den Verteidigungsbereich ein massives Restrukturierungsprogramm an, um die Kostenbasis deutlich zu verbessern. Aus ertragsschwächeren Randbereichen des Verteidigungsgeschäfts (zum Beispiel Rüstungselektronik), die nur wenig Verbindung zur Luftfahrtkompetenz des Konzerns aufweisen, will sich Airbus verabschieden.

Schwierigkeiten beim A400M und im Hubschraubergeschäft
Die ersten Flugzeuge sind zwar ausgeliefert. Viele vorgesehene militärische Eigenschaften sind aber noch nicht verfügbar, das Flugzeug ist dadurch nur beschränkt einsetzbar. Verantwortliche Manager wurden ausgetauscht. Der Militärtransporter macht aktuell wieder neue Probleme. Wir rechnen mit kleineren Einmalbelastungen in den Folgequartalen. Den Exportchancen hilft das auch nicht. Der Markt hat mittlerweile keine grossen Erwartungen an das Projekt mehr, es sollten allerdings nicht immer wieder neue schlechte Nachrichten kommen. Auch die gesunkene Nachfrage nach Hubschraubern für Einsätze beim Militär und in der Öl- und Gasindustrie wird diskutiert.

Regierungseinfluss tendenziell rückläufig
Die unterschiedlichen Interessen der Regierungen von Frankreich, Deutschland und Grossbritannien hatten Ende 2012 den Zusammenschluss mit dem britischen Konkurrenten BAE Systems verhindert. Den Konzern hat das nicht umgeworfen. Die Stärke liegt ohnehin im Zivilgeschäft. Die Diskussionen zeigten exemplarisch den Handlungsbedarf im Verteidigungsgeschäft und die starken Staatsinteressen, die nicht unbedingt im Gleichklang mit denen der privaten Aktionäre stehen. Die Umbenennung in Airbus unterstreicht die Bedeutung des Zivilgeschäfts. Airbus legte mittlerweile Rüstung und Raumfahrt zusammen. Die Interessen Frankreichs und Deutschlands sind neu austariert worden.

Auftaktquartal über den Erwartungen, aber….
Airbus hat das Auftaktquartal besser abgeschlossen als erwartet. Insbesondere niedrigere Entwicklungskosten haben geholfen. Preiszugeständnisse für die Erstkunden zur Kompensation von Einführungsrisiken haben vermutlich belastet. Durch steigende Lagerbestände hat sich der Cashflow deutlich verschlechtert. Das resultiert aus Auslieferungsverzögerungen aufgrund von Triebwerksproblemen und sollte sich dann aber in der zweiten Jahreshälfte drehen. Im Flugzeugbau ist diese Grösse besonders aussagekräftig, da es insbesondere bei der Aktivierung von Kosten diverse Gestaltungsmöglichkeiten gibt.

...Ausblick unverändert
Auf den Ausblick hatte der Quartalsbericht keine Auswirkungen. Wesentlich ist der erfolgreiche Produktionshochlauf beim A350 und beim A320. Probleme könnte es auf der Zuliefererseite geben, was wir derzeit aber nicht überbewerten wollen. Der aktuelle Aktienrückkauf läuft aus. Die Aufwertung des US-Dollar wird sich erst nach Auslaufen ungünstigerer Währungssicherungen deutlich in den Zahlen bemerkbar machen.

Grafik 1: Wertentwicklung Airbus
Grafik 1: Wertentwicklung Airbus
Stand: 17. Juni 2016; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.