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Aktienstrategie

SMIM: Die Mid Caps haben den Gipfel erklommen

Die Schweizer Aktiengesellschaften aus der zweiten Börsenreihe stehlen den Large Caps einmal mehr die Show. Die Outperformance – im bisherigen Jahresverlauf hängte der SMI Mid den SMI um nahezu 10 Prozentpunkte ab – kommt nicht von ungefähr.

An den Börsen in Frankfurt und London war es bereits im April 2015 so weit: Die dortigen Leitindizes, DAX respektive FTSE 100, markierten neue Allzeithochs. Während diese beiden Benchmarks ihre Tops etwas aus dem Blick verloren haben, läuten an der New Yorker Wall Street zum wiederholten Mal die Rekordglocken. Zuletzt kletterte der S&P 500 Mitte August auf eine neue Bestmarke. Derweil ist der SMI im vergangenen Jahr denkbar knapp daran gescheitert, Geschichte zu schreiben. Der heimische Leitindex verpasst seinen Spitzenwert um kaum mehr als zehn Zähler. Und doch kam auch an der Schweizer Börse vor kurzem Feierlaune auf: Mit exakt 1.999,912 Punkten kletterte der SMI Mid (SMIM) am 15. August 2016 auf ein Allzeithoch und übertraf damit das vor mehr als neun Jahren markierte Top um gut 14 Zähler.

Der mit den 30 grössten nicht im Leitindex enthaltenen Unternehmen bestückte Index spielt also seine Stärken wieder einmal voll aus. Massgeblich für die Zusammensetzung des im November 2004 eingeführten Börsengradmessers sind analog zur SMI-Methodik die Marktkapitalisierung und der Handelsumsatz einer Aktie. Diese Vorgehensweise führt dazu, dass sich im SMIM mittelgrosse Unternehmen tummeln, die in ihren Märkten zu den führenden Adressen zählen. Nicht selten fahren sie mit speziellen Nischenprodukten einen erfolgreichen Wachstumskurs.

Zwei Paradebeispiele
Nahezu mustergültig erfüllt Lonza diese Parameter. Zwischen 2012 und 2015 steigerte der Life-Science-Konzern das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von 10,2 Prozent. Gleichzeitig reduzierte das Unternehmen die Verschuldung um nahezu 1 Milliarde auf 1,66 Milliarden Franken. Im ersten Halbjahr 2016 setzte sich der Lauf fort: Lonza meldete beim operativen Ergebnis unter Ausschluss von Sonderfaktoren ein Wachstum von einem Fünftel. Zudem schraubte das Management die Prognose nach oben. Die Börse ist begeistert: Praktisch zeitgleich mit dem SMIM markiert das Indexschwergewicht ein Allzeithoch.

Schon drei Tage zuvor hatte Sika einen neuen Kursgipfel erklommen. Auch das Geschäft des Bauzulieferers läuft: Im ersten Semester steigerte Sika den Umsatz um 7,6 Prozent und verzeichnete einen Gewinnsprung von knapp einem Viertel. Gleichwohl ist der Wachstumshunger des Managements ungestillt. Gerade hat das Spezialchemieunternehmen Standorte in Dschibuti und Kamerun eröffnet. Damit verfügt der Konzern nun über insgesamt 97 Ländergesellschaften. Als am zweitstärksten gewichtetes Indexmitglied hat Sika einen bedeutenden Anteil am Höhenflug des SMIM.

Grafik 1: Erfolgreiche Rekordjagd

SMIM: Kursentwicklung – 10 Jahre

Grafik 1: Erfolgreiche Rekordjagd
Stand: August 2016; Quelle: Reuters
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Rückschläge möglich
Grafik 2 zeigt, dass mit den Kursen die Bewertung der Mid-Cap-Auswahl markant gestiegen ist. Erstmals seit dem Frühjahr 2007 kletterte das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den SMIM vor kurzem über die 20er-Marke. Damit bewegt sich diese viel beachtete Kennzahl nicht nur mehr als ein Viertel über dem 10-Jahres-Durchschnitt. Überdies zeigen die 30 mittelgrossen Gesellschaften gegenüber dem SMI einen Bewertungsaufschlag von knapp 20 Prozent. Natürlich gilt gerade im aktuellen Tiefzinsumfeld bei vielen Investoren die Devise »Qualität hat ihren Preis«. Gleichwohl ist der SMIM genauso wie die Aktienmärkte insgesamt nicht vor Rückschlägen gefeit. Wie schnell es nach unten gehen kann, führte Ende Juni die im Zusammenhang mit dem britischen EU-Referendum aufkommende Verunsicherung anschaulich vor Augen.

Grafik 2: Überdurchschnittliche Bewertung

SMIM: Kurs-Gewinn-Verhältnis (Forward, 12 Monate)

Grafik 2: Überdurchschnittliche Bewertung
Stand: August 2016; Quelle: Factset, Commerzbank

Auf einem relativ hohen Niveau bewegt sich dagegen mit aktuell 2,4 Prozent die Dividendenrendite des SMIM. Zum Vergleich: Über die vergangenen zehn Jahre fiel diese Kennzahl im Schnitt um 20 Basispunkte geringer aus. An dieser Stelle kommt die starke operative Verfassung vieler Indexmitglieder zum Ausdruck. Mittels grosszügiger Gewinnausschüttungen lassen die Unternehmen ihre Anteilseigner am Erfolg teilhaben. Den SMI-Konzernen können die Mid Caps diesbezüglich allerdings nicht das Wasser reichen. Der Leitindex weist eine Dividendenrendite von 3,6 Prozent aus.

Grafik 3: Ordentliche Ausschüttungen

SMIM: Dividendenrendite (Trailing, 12 Monate)

Grafik 3: Ordentliche Ausschüttungen
Stand: August 2016; Quelle: Factset, Commerzbank