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Rohstoffe

Was Sie schon immer mal über Platin wissen wollten

Der Platinpreis hat nach den Verlusten im vierten Quartal seinen Aufwärtstrend im Januar 2017 wieder aufgenommen. Positiv auf Platin wirkte sich aus, dass Gold aufgrund der Abwertung des US-Dollar und rückläufiger Anleihenrenditen sowie als sicherer Hafen wieder gefragter war. Warum Platin Gold aber wohl nicht überflügeln wird, lesen Sie im Folgenden.

Der Platinmarkt ist seit fünf Jahren defizitär, das heisst, die Nachfrage übersteigt das Angebot. Laut Johnson Matthey, dem grössten Verarbeiter von Platin und Palladium, summiert sich das Angebotsdefizit in diesem Zeitraum auf gut 2,6 Millionen Unzen. Doch profitieren konnte der Platinpreis von der Angebotsknappheit nicht. Im Gegenteil: Platin, das neben dem Fundamentalumfeld auch von Gold beeinflusst wird, hat sich seit Anfang 2012 massiv verbilligt. Anfangs konnte Platin sich dem Abwärtssog von Gold noch entziehen, doch mit Schrumpfen der Angebotslücke verbilligte es sich zwischenzeitlich sogar stärker als Gold bzw. konnte von der Preiserholung im letzten Jahr nur unterproportional profitieren. Erst zu Jahresbeginn 2017 konnte Platin gegenüber Gold Boden gutmachen (Grafik 1). Aufgrund der Entspannung der Fundamentalsituation am Platinmarkt dürfte das Aufholpotenzial aber weitestgehend ausgereizt sein, wie der nachfolgende Blick auf die Angebots- und Nachfrageseite zeigt.

Grafik 1: Platin mit unterdurchschnittlicher Preisentwicklung im letzten Jahr
Grafik 1: Platin mit unterdurchschnittlicher Preisentwicklung im letzten Jahr
Stand: 24. Februar 2017; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research

Das weltweite Platinangebot speist sich zu gut drei Viertel aus der primären Bergbauerzeugung. Die Minenförderung ist stark konzentriert: Südafrika stellte im letzten Jahr 72 Prozent des globalen Minenangebots, gefolgt mit grossem Abstand von Russland. Ihre Produktionsspitze erreichten die grössten Produzentenländer bereits vor einem Jahrzehnt. Im letzten Jahr war die Minenproduktion in beiden Ländern rückläufig. Die niedrigen Preise erzwingen derzeit zusätzlich einen strukturellen Wandel. Vor allem die südafrikanischen Minen, die seit Jahren mit hohen Kostensteigerungen kämpfen, machen Verluste (Grafik 2).

Grafik 2: Margen nicht nur in Südafrika unter Druck

Durchschnittlicher Platinpreis minus All-in Sustaining Costs

Grafik 2: Margen nicht nur in Südafrika unter Druck
Stand: Mai 2016; Quelle: Metals Focus, Commerzbank Research

Wie stark der Kostendruck ist, hängt von der Abbaumethode und deren Mechanisierungsgrad ab: Ob konventionell, unter Tage mechanisiert oder Tagebau. Der Tagebau wird vorrangig angewendet, wenn die abzubauenden Erze lang und erdoberflächennah sind. Dies ermöglicht das Abtransportieren grosser Mengen des Gesteins mit Schaufelbaggern und Lkws, sodass eine schnellere Produktion im Vergleich zum Untertagebau möglich ist. Erze mit geringerem Erzgehalt können folglich noch wirtschaftlich rentabel abgebaut werden, die ansonsten brach liegen gelassen werden würden. Der Tagebau ist laut Anglo American Platinum (Amplats), dem mit 40 Prozent der globalen Minenförderung weltgrössten Platinproduzenten, die kostengünstigste Möglichkeit, um an Platinmetalle zu gelangen, zumal der mit 23 Prozent verhältnismässig niedrige Anteil der Arbeitskosten an den Gesamtkosten die Abhängigkeit von oft überzogenen Lohnforderungen der Gewerkschaften bremst. Dagegen haben Verbrauchsmaterialien beim Tagebau einen vergleichsweise hohen Kostenanteil von 44 Prozent. Unter Tage wird Platin in der Regel durch konventionelle Abbaumethoden abgebaut, die meist arbeitsintensiv sind, jedoch zunehmend mechanisiert werden. Beim Platinabbau unter Tage machen die Kosten für Arbeiter und Vertragspartner laut Amplats rund zwei Drittel der Gesamtkosten aus (Grafik 3).

Grafik 3: Arbeitskosten machen Grossteil der Produktionskosten aus

Anteilige Produktionskosten je Abbauverfahren 2016

Grafik 3: Arbeitskosten machen Grossteil der Produktionskosten aus
Stand: Juli 2016; Quelle: Anglo American Platinum, Commerzbank Research

Die Zukunft liegt laut der südafrikanischen Minenkammer in der mechanisierten 24/7-Abbaumethode, einem extern von Mitarbeitern gesteuerten, automatisierten Abbau, der es durch den Einsatz von Maschinen oder Drohnen ermöglicht, an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden in grossen Tiefen zu arbeiten. Der Einsatz dieser Methode verringert die Zahl der tödlichen Unfälle und damit auch die sicherheitsbedingten Minenschliessungen. Durch die Automatisierung von Arbeiten in den Schächten würden zudem diejenigen Schliessungen minimiert werden, die zum Beispiel wegen nicht gewährleisteter Stromversorgung erfolgen. Tiefere Schächte sind zum Teil 40 bis 70 Grad Celsius warm. Eine konstante Klimatisierung dieser Bereiche ist für die Bergleute somit unerlässlich. Der mit 95 Prozent Marktanteil beherrschende staatliche Stromanbieter Eskom belastet die Minen des Landes jedes Jahr mit starken Preiserhöhungen. Mangels ausreichender Kapitalinvestitionen stellt dieser auch in der nahen Zukunft einen grossen Unsicherheitsfaktor für die Gewährleistung einer reibungslosen Stromversorgung dar. Auch wenn zwischen den führenden Minengesellschaften und den Gewerkschaften über die neuen Anforderungen an Bergleute bereits eine Debatte entbrannt ist – in Südafrika ist mangelhafte Bildung ein grosses Problem – dürfte sich der mechanisierte Abbau wegen der niedrigeren Produktionskosten und des geringeren Risikos von Arbeitsunfällen durchsetzen. Amplats, das 2011 den Übergang in mechanisierte Abbaumethoden eingeleitet hat, will diesen 2023 abgeschlossen und dann rund 80 Prozent der Produktion umgestellt haben.

Im Gegensatz zur Minenproduktion stieg 2016 das Recyclingangebot, welches aus ausgedienten Abgaskatalysatoren, Platinschmuck und Elektronik mit Platinanteilen gewonnen wird. Zurückzuführen war das höhere Recyclingangebot im letzten Jahr insbesondere auf den Bestandsabbau der Einzelhändler im chinesischen Schmucksektor. Für dieses Jahr sind die Aussichten aufgrund vieler verschiedener Faktoren unsicher. So steht dem zunehmenden Platinangebot aus Katalysatoren in Europa ein abnehmendes in den USA gegenüber. Darüber hinaus hängt das Angebot stark von den Autokatalysatoren ab, die verschrottet werden. Von 1990 bis 2000 kam es zu erheblichen Modelländerungen, die jeweils einen ganz unterschiedlichen Platinanteil führen. Zudem ändert sich das Verbraucherverhalten, und Fahrzeuge werden länger gehalten. Neben dem Platinpreis selber hängt die Profitabilität des Recyclings auch von den Preisen der anderen wiederverwertbaren Rohstoffe ab. Generell gilt, dass bei höheren Preisen in der Regel auch das Recyclingangebot steigt.

Nachfrage aus europäischer Autoindustrie dürfte Spitze erreicht haben
Die globale Platinnachfrage legte Johnson Matthey zufolge 2016 nur geringfügig zu. Es gibt vier Kernsegmente für die Platinnachfrage: Automobilindustrie, übrige Industrie, Schmuck- und Investitionsbedarf. Die Automobilindustrie ist mit einem Anteil von 40 Prozent wichtigster Sektor auf der Nachfrageseite, wobei hier der Dieselmarkt die dominierende Nachfragesäule ist (Grafik 4). Der europäische Dieselmarkt macht etwa die Hälfte der Nachfrage aus. Die Auswirkungen des Abgasskandals um VW, die Diskussion über ein Verbot von Dieselfahrzeugen in Innenstädten, aber auch die höhere staatliche Förderung von Elektrofahrzeugen, zum Beispiel in Deutschland, bremsen jedoch, sodass die europäischen Platinnachfrage aus der Automobilindustrie wohl im letzten Jahr ihren Zenit überschritten haben sollte. Dagegen könnte der chinesische Markt, der momentan noch wie die USA stark benzinlastig ist, in Zukunft ebenso wie Indien stark an Bedeutung gewinnen. Denn die Emissionsvorschriften für schwere Nutzfahrzeuge werden in beiden Ländern deutlich verschärft. Die schwindende Preisdiskrepanz zwischen Platin und Palladium bremst die anhaltende Substitution von Platin durch Palladium bei Dieselfahrzeugen. Die Platinpreise können daher nach Einschätzung von Johnson Matthey nur bedingt fallen.

Grafik 4: Diesel-Pkws haben grössten Nachfrageanteil

Platinnachfrage im Automobilsektor 2016

Grafik 4: Diesel-Pkws haben grössten Nachfrageanteil
Stand: November 2016; Quelle: Johnson Matthey, Commerzbank Research

Einen stark bremsenden Einfluss auf die Platinnachfrage übte 2016 die Schmucknachfrage aus, welche immerhin ein Drittel der Gesamtnachfrage ausmacht. Darüber, ob sich die Schmucknachfrage im laufenden Jahr erholen wird, gibt es unterschiedliche Ansichten. Weitgehend Einigkeit herrscht dagegen darüber, dass die Investmentnachfrage nachlässt. Denn der in den letzten zwei Jahren überraschend starke Anstieg der Barrennachfrage aus Japan dürfte sich nicht wiederholen. Der Platinpreis in japanischen Yen stieg seit Oktober auch wegen der Yen-Abwertung um 20 Prozent und verteuerte somit opportunistische Käufe unter den japanischen Privatinvestoren, die zuvor zur starken Nachfrage aus Japan beitrugen. Der World PIatinum Investment Council rechnet dabei mit 25 Prozent weniger Nachfrage aus diesem Segment. Ob diese Lücke durch die Nachfrage nach ETFs oder Münzen geschlossen werden kann, ist zweifelhaft.

Angesichts der genannten fundamentalen Angebots- und Nachfragetreiber sehen wir das Aufwärtspotenzial für Platin begrenzt. Das Risiko unerwarteter Angebotsausfälle in der Minenproduktion aufgrund von Streiks, vor allem in Südafrika, dürfte ausserdem gering sein, da die Tarifverhandlungen bereits 2016 erfolgreich abgeschlossen wurden. Diese wurden auf den 1. Juli 2016 rückdatiert und sind für drei Jahre gültig. Daher sollte Platin vor allem durch den von uns prognostizierten Anstieg des Goldpreises Auftrieb erhalten. Zwar dürfte die Risikoaversion der Marktteilnehmer im Jahresverlauf durch die steigenden politischen Risiken in Europa und den USA zunehmen, sodass es ein stärkeres Anlegerinteresse für Gold und andere sichere Häfen geben dürfte. Von dieser würde auch Platin profitieren, da das Edelmetall so wieder in den Fokus der Anleger gerückt würde. Bei einem stärkeren Preisanstieg wäre aber mit einem höheren Recyclingangebot zu rechnen, was wiederum das Aufwärtspotenzial begrenzt. Wir erwarten für den Platinpreis einen Anstieg auf 1.100 US-Dollar je Feinunze zum Jahresende.

Anlageidee: Zertifikate auf Platin

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Aber Achtung: Da die von der Commerzbank angebotenen Produkte in Schweizer Franken notieren, die Preise von Platin allerdings in US-Dollar, besteht für den Investor ein Währungsrisiko.

Faktor-Zertifikate, SIX-kotiert

Symbol

Basiswert

Strategie

Faktor (Hebel)

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

PL4LCB

Platin Future

Long

4

Open End

19,91/20,07 CHF

PL4SCB

Platin Future

Short

4

Open End

21,74/21,91 CHF

Faktor-Zertifikate, Swiss DOTS-kotiert

Valor

Basiswert

Strategie

Faktor (Hebel)

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

32202973

Platin Future

Long

4

Open End

23,04/23,23 CHF

32202974

Platin Future

Short

4

Open End

13,06/13,17 CHF

Unlimited Turbo-Zertifikate, Swiss DOTS-kotiert

Valor

Basiswert

Strategie

Hebel

Basispreis/ Knock-Out-Barriere

Laufzeit

Geld-/Briefkurs

35237012

Platin

Bull

6,300

875,14/898,00 USD

Open End

1,582/1,622 CHF

31989651

Platin

Bull

5,050

835,31/857,00 USD

Open End

1,986/2,025 CHF

34477520

Platin

Bear

8,097

1.153,67/1.124,00 USD

Open End

1,227/1,267 CHF

34477523

Platin

Bear

5,461

1.213,58/1.183,00 USD

Open End

1,836/1,876 CHF

Stand: 27. Februar 2017; Quelle: Commerzbank Corporates & Markets

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die massgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.ch zur Verfügung.