Commerzbank Analysen

Airbus versus Boeing

Ein Duo mit enormer Schubkraft

Der globale Flugverkehr wächst stark. Bis 2034 soll die Zahl der weltweit reisenden Passagiere um rund zwei Drittel auf dann 5,8 Milliarden pro Jahr zunehmen. Diese Prognose geht mit einem rasant zunehmenden Bedarf an Verkehrsflugzeugen einher. Die schon jetzt über Jahre hinweg ausgelasteten Hersteller Airbus und Boeing können also dauerhaft mit guten Geschäften rechnen – insofern überrascht der Höhenflug der beiden Konzerne an der Börse nicht.

Der Wettergott meinte es nicht besonders gut mit Airbus. Als der A330 neo am 19. Oktober 2017 zum Premierenflug startete, war der Himmel über Toulouse wolkenverhangen. Und doch bot sich den Gästen an der Konzernzentrale des Flugzeugbauers ein spektakuläres Bild: Scheinbar mühelos hob der 251 Tonnen schwere Koloss mit einer Spannweite von 64 Metern ab. Mehr als vier Stunden lang testete die sechsköpfige Crew den A330 neo über dem Südwesten Frankreichs auf Herz und Nieren. Innovative Triebwerke, Leichtbau und neue Flügel sollen dafür sorgen, dass der Kerosinverbrauch gegenüber den bisherigen Varianten des Grossraumjets um 14 Prozent sinkt. Ausserdem bietet die Maschine Platz für bis zu zehn zusätzliche Sitze. 212 Bestellungen konnte sich Airbus bereits sichern. Im kommenden Jahr soll der erste A330 neo an TAP Portugal ausgeliefert werden.

Transatlantischer Zweikampf
Auf reges Interesse dürfte die Premiere von Toulouse auch im knapp zwölf Flugstunden entfernten Chicago gestossen sein. In der US-Metropole steht die Konzernzentrale von Branchenkrösus Boeing. Mit der A330 neo schlägt Airbus ein weiteres Kapitel im ewigen Zweikampf der beiden Flugzeugbauer auf. In einer eigens erstellten Infografik verweisen die Europäer darauf, dass ihr jüngstes Modell gegenüber Boeings 787 Dreamliner einen Kostenvorteil von bis zu einem Zehntel biete. Für die Airlines kann das ein wichtiges Kaufargument sein. Schliesslich lässt sich im globalen Luftverkehrsmarkt seit Jahren ein immer härter geführter Wettbewerb beobachten. Low-Cost-Carrier wie Ryanair oder EasyJet treiben dabei die traditionellen Fluggesellschaften regelrecht vor sich her. Beide Gruppen versuchen, möglichst viel vom rasant wachsenden Passagieraufkommen abzugreifen.

Die International Civil Aviation Organization (ICAO) taxiert die Zahl der weltweiten Fluggäste für das Jahr 2015 auf rund 3,5 Milliarden. Damit dehnte sich der Sektor gegenüber dem Krisenjahr 2009 um mehr als 40 Prozent aus (siehe Grafik 1). Über ein Drittel des Passagieraufkommens entfällt auf den Asien-Pazifik-Raum. Diese Region soll auch das zukünftige Wachstum antreiben. Die Air Transport Action Group (ATAG) rechnet damit, dass sich der weltweite Markt von 2014 bis 2034 um durchschnittlich 4,3 Prozent jährlich ausdehnt. Damit würden die Airlines im finalen Jahr des Projektionszeitraums mehr als 5,8 Milliarden Menschen von einem Ort zum anderen befördern. Diese Aussichten gehen mit einem rasant steigenden Bedarf an Flugzeugen einher. Airbus wagt einen Blick in die Zukunft: Für die Zeit bis 2036 taxiert der Konzern die Nachfrage nach Passagiermaschinen auf stattliche 34.170 Stück. Während es sich bei 40 Prozent dieser Menge um den Ersatz bestehender Jets handelt, fusst die Prognose zu 60 Prozent auf dem Marktwachstum.

Grafik 1: Globales Passagieraufkommen im Flugverkehr
Grafik 1: Globales Passagieraufkommen im Flugverkehr
Stand: Oktober 2017; Quelle: International Civil Aviation Organization (ICAO)

Klassiker als Verkaufsschlager
Schon jetzt sind die Auftragsbücher prall gefüllt: Während Airbus per 30. September 2017 über 6.691 Bestellungen verfügte, waren bei Boeing 5.659 Orders offen. Beim Auftragseingang zeichnet sich ein Führungswechsel ab. In neun der vergangenen zehn Jahre konnten die Europäer mehr Kaufverträge abschliessen als die globale Nummer 1. Doch 2017 scheint die Vertriebsmannschaft von Boeing erfolgreicher zu arbeiten. Von Januar bis September gingen bei den US-Amerikanern 548 Bestellungen ein. Airbus erhielt dagegen »nur« 319 Zusagen für den Kauf einer Verkehrsmaschine (siehe Grafik 2). Punkten konnte der Branchenkrösus vor allem mit einem Klassiker: In den ersten drei Quartalen gingen die Boeing-Bestellungen zu nahezu drei Viertel auf die legendäre 737 zurück.

Als ein Verkaufsschlager entpuppt sich die MAX-Version des Mittelstreckenflugzeugs. Boeing wirbt mit einem um 13 Prozent geringeren Treibstoffverbrauch im Vergleich zu den heute effizientesten Single-Aisle-Flugzeugen für das Modell. Dabei reduziert ein aussen an den Tragflächen angebrachter Winglet den Luftwiderstand. Hinzu kommt eine moderne Innenausstattung mit LED-Beleuchtung. In den vier verschiedenen Typen finden zwischen 138 und maximal 230 Passagiere Platz. Laut Boeing hat sich kein Flugzeug in der mehr als 100-jährigen Unternehmensgeschichte so schnell verkauft wie die 737 MAX – aktuell beträgt der Auftragsbestand 3.871 Stück. Airbus hält mit dem A320 neo dagegen. 200 Stück dieses Jets möchten die Europäer 2017 ausliefern. Allerdings bezeichnete der Chef der Flugzeugsparte, Fabrice Bregier, dieses Ziel im Rahmen des A330-neo-Premierenflugs als grosse Herausforderung. Grund: Der Turbinenhersteller Pratt & Whitney ist wegen technischer Probleme mit den Lieferungen für das neue Modell in Verzug.

Grafik 2: Bruttobestellungen Verkehrsflugzeuge
Grafik 2: Bruttobestellungen Verkehrsflugzeuge
Stand: Oktober 2017; Quelle: Unternehmen

Erfolg in Kanada, Probleme daheim
Derweil konnte Airbus im Duell mit Boeing vor kurzem mit einem Deal in Kanada punkten. Die Europäer sicherten sich Mitte Oktober gut die Hälfte an der »CSeries« vom dortigen Konkurrenten Bombardier. Dabei handelt es sich um mit 100 bis 150 Sitzplätzen ausgestattete Mittelstreckenmaschinen, die für eine Erweiterung der Airbus-Produktpalette sorgen. Die Meldung über die Transaktion in Nordamerika kam für das Unternehmen zu einem günstigen Zeitpunkt. Zuvor hatte Airbus mit einem Korruptionsskandal für negative Schlagzeilen gesorgt. Das Unternehmen soll beim Verkauf von Verkehrsflugzeugen Mittelsmänner eingeschaltet haben. Nun laufen in Grossbritannien und Frankreich Ermittlungen, die laut CEO Tom Enders zu »beträchtlichen Bussen« führen könnten. Zunächst bremste dieses Risiko die Airbus-Aktie aus. Doch Investoren nutzten diese Schwäche für Nachkäufe. Der Large Cap machte die Verluste rasch wett und erreichte Ende Oktober ein neues Allzeithoch.

Gleichwohl ist Boeing nach einem jahrelangen Kursgleichlauf im 5-Jahres-Vergleich zuletzt an den Europäern vorbeigezogen (siehe Grafik 3). Die Rally geht mit starken Geschäftszahlen einher. Zwar schrumpfte der Umsatz des Konzerns im Zeitraum Januar bis September 2017 um 5 Prozent auf 68 Milliarden US-Dollar. Gleichwohl konnte Boeing das operative Ergebnis mit 7,3 Milliarden US-Dollar nahezu verdoppeln. Den operativen Cashflow verbesserte das Unternehmen in den ersten neun Monaten um mehr als ein Drittel auf stattliche 10,4 Milliarden US-Dollar. Im Gesamtjahr möchte CEO Dennis Muilenburg Kassenzuflüsse von 12,5 Milliarden US-Dollar erreichen. Nach drei Quartalen erhöhte er die Prognose sowohl für diese Kennziffer als auch für den Gewinn je Aktie. Muilenburg peilt einen Überschuss von 9,90 bis 10,10 US-Dollar je Anteilsschein und damit 10 US-Cent mehr als zuvor an. Für einen kleinen Wermutstropfen in der Zwischenbilanz sorgte das Tankflugzeug KC-46. Probleme bei den Maschinen, die ab dem kommenden Jahr in Betrieb gehen sollen, sorgten im dritten Quartal für eine Ergebnisbelastung von 329 Millionen US-Dollar.

Am 31. Oktober (nach Redaktionsschluss) präsentierte Airbus die Neunmonatszahlen. Zum Halbjahr hatte sich Tom Enders zuversichtlich gezeigt: »Das Umfeld für Verkehrsflugzeuge bleibt gesund, während der robuste Auftragsbestand weiterhin das geplante Hochfahren unserer Produktion unterstützt.« Allerdings betonte der CEO bei der Zahlenvorlage die Problematik der Triebwerkslieferungen. Sofern die Lieferanten ihre Zusagen einhalten, möchte Airbus 2017 mehr als 700 Verkehrsflugzeuge ausliefern. Gleichzeitig stellt das Management beim angepassten operativen Ergebnis (EBIT) vor Fusionen und Übernahmen (M&A) ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich in Aussicht. Natürlich hängt das Erreichen der Prognose auch von den beiden kleineren Sparten – Helikopter sowie Verteidigung und Raumfahrt – ab. Im Militärgeschäft hat der Konzern seit längerem mit technischen Problemen beim Transporter A400M zu kämpfen.

Umso wichtiger ist es für den Gesamtkonzern, in der grössten Sparte die Flughöhe zu halten und das prall gefüllte Auftragsbuch wie geplant abzuarbeiten. Gelingt dieses Unterfangen nicht, könnte über der Konzernzentrale von Toulouse noch so manche Wolke aufziehen.

Grafik 3: Vergleich Wertentwicklung Airbus versus Boeing
Grafik 3: Vergleich Wertentwicklung Airbus versus Boeing
Stand: Oktober 2017; Quelle: Commerzbank
Auf einen Blick: Airbus

Airbus

Gründungsjahr

1970

Mitarbeiter (per 31. Dezember 2016)

133.782

Auftragsbestand Verkehrsflugzeuge (per 30. September 2017)

6.691 Stück

Auslieferungen Verkehrsflugzeuge 2016

688 Stück

Umsatzaufteilung 2016

– Verkehrsflugzeuge: 49,2 Milliarden Euro
– Helikopter: 6,7 Milliarden Euro
– Verteidigung und Raumfahrt: 11,9 Milliarden Euro

Gewinn 2016

995,0 Milliarden Euro

Börsenwert (per 26. Oktober 2017)

64,7 Milliarden Euro

Quelle: Unternehmen, Commerzbank

Auf einen Blick: Boeing

Boeing

Gründungsjahr

1916

Mitarbeiter (per 31. Dezember 2016)

140.000

Auftragsbestand Verkehrsflugzeuge (per 30. September 2017)

5.659 Stück

Auslieferungen Verkehrsflugzeuge 2016

784 Stück

Umsatzaufteilung 2016

– Verkehrsflugzeuge: 65,0 Milliarden US-Dollar
– Verteidigung, Raumfahrt und Sicherheit: 29,5 Milliarden US-Dollar

Gewinn 2016

4,9 Milliarden US-Dollar

Börsenwert (per 26. Oktober 2017)

157,2 Milliarden US-Dollar

Quelle: Unternehmen, Commerzbank

Anlageidee: Hebelprodukte auf Airbus und Boeing

Airbus und Boeing zählen zum Basiswertfundus der Commerzbank. Mit den unten aufgeführten Produkten können Anleger gehebelt sowohl auf steigende als auch auf fallende Notierungen setzen. Bitte beachten Sie: Erfüllt sich die jeweilige Erwartung nicht, drohen überproportionale Verluste.

Warrants

Valor

Basiswert

Typ

Hebel

Strike

Laufzeit

Handelsplatz

38729932

Airbus

Call

7,6

80,00 EUR

16.03.2018

Swiss DOTS

38729934

Airbus

Call

10,5

84,00 EUR

16.03.2018

Swiss DOTS

38729945

Airbus

Put

11,5

82,00 EUR

16.03.2018

Swiss DOTS

38729944

Airbus

Put

13,7

80,00 EUR

16.03.2018

Swiss DOTS

38730034

Boeing

Call

13,8

260,00 USD

15.06.2018

Swiss DOTS

38730035

Boeing

Call

17,5

270,00 USD

15.06.2018

Swiss DOTS

38730015

Boeing

Put

11,6

260,00 USD

15.06.2018

Swiss DOTS

38730016

Boeing

Put

9,4

270,00 USD

15.06.2018

Swiss DOTS

Unlimited Turbo-Zertifikate

Valor

Basiswert

Typ

Hebel

Strike

Stoppschwelle

Handelsplatz

38624540

Airbus

Bull

7,0

75,18 EUR

77,40 EUR

Swiss DOTS

38346755

Airbus

Bull

4,5

70,26 EUR

72,40 EUR

Swiss DOTS

34984600

Airbus

Bear

7,4

88,72 EUR

91,51 EUR

Swiss DOTS

35724556

Airbus

Bear

4,6

96,49 EUR

93,55 EUR

Swiss DOTS

Faktor-Zertifikate

Valor

Basiswert

Strategie

Hebel

Laufzeit

Handelsplatz

34417207

Airbus

Long

4

Open End

Swiss DOTS

34417276

Airbus

Short

–4

Open End

Swiss DOTS

33540915

Airbus

Long

3

Open End

SIX Exchange

33540933

Airbus

Short

–3

Open End

SIX Exchange

35968339

Boeing

Short

–6

Open End

Swiss DOTS

35968382

Boeing

Short

–4

Open End

Swiss DOTS

Stand: 26. Oktober 2017; Quelle: Commerzbank

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die massgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.ch zur Verfügung.