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US-Aktienmarkt – Schneller, höher, weiter

Das Kräfteverhältnis zwischen Bullen und Bären am US-Aktienmarkt erscheint momentan relativ ausgeglichen: Während eine boomende Wirtschaft für eine gute Stimmung sorgt, dämpfen Zins- und Inflationsängste eine allzu grosse Euphorie. Die aktuelle Berichtssaison verschafft den Optimisten einen kleinen Vorteil: Die S&P 500-Mitglieder verzeichneten mehrheitlich aussergewöhnlich hohe Gewinnsteigerungen. Bewahrheiten sich die Prognosen, dürfte das Ergebniswachstum das ganze Jahr über hoch bleiben. Der Wall Street könnten also noch weitere gute Monate ins Haus stehen. Allerdings dürften die geplanten Zinserhöhungen zu einer höheren Volatilität führen. Für Trader ein optimales Umfeld, denn mit Warrants lässt es sich sowohl auf die Long- wie auch die Short-Seite setzen.

»America First« lautet der viel umstrittene Slogan von Donald Trump seit der gewonnenen US-Präsidentschaftswahl im November 2016. Dass der 71-Jährige damit aber ganz gut fährt, zeigt eine Zwischenbilanz nach rund eineinhalb Jahren im Amt. Sei es volkswirtschaftlich, bei den Unternehmensgewinnen oder auch am Kapitalmarkt, die USA spielen in vielen Bereichen weltweit die erste Geige.

Zuerst der Blick auf die Wall Street: Die Kurse in Downtown New York explodierten förmlich seit der Vereidigung von Trump. Der S&P 500 legte um 26 Prozent zu und schnitt damit knapp 10 Prozentpunkte besser als der EURO STOXX 50 ab. Das Gleiche gilt für das Wirtschaftswachstum. Nach einem Anstieg von 1,5 Prozent 2016 nahm das Bruttoinlandsprodukt 2017 um stolze 2,3 Prozent zu. Andere grosse Industrienationen wie Japan, Grossbritannien oder auch die Schweiz hatten das Nachsehen. Einzig die Eurozone konnte im vergangenen Jahr dem Tempo in Übersee folgen. Allerdings gilt dies nicht mehr für 2018. Nach Schätzungen des IWF werden die USA im laufenden Jahr um 2,9 Prozent expandieren, Europa dagegen »nur« um 2,4 Prozent. Ebenso verhält es sich bei den Unternehmensgewinnen. Hatten die Grosskonzerne auf dem alten Kontinent 2017 sogar noch die Nase vorne, werden die US-Unternehmen 2018 im Eiltempo an den Europäern vorbeirasen. Laut FactSet-Daten erwartet der Analystenkonsens ein Ergebniswachstum von etwas mehr als 20 Prozent im S&P 500. Zum Vergleich: Der EURO STOXX 50 kommt gerade mal auf ein Plus von 7,6 Prozent, Japan auf 7,1 Prozent und selbst die für die Welt geschätzte Wachstumsrate liegt mit 15,4 Prozent klar unter den USA.

Grafik 1: S&P 500 – Gewinnwachstum erstes Quartal 2018
Grafik 1: S&P 500 – Gewinnwachstum erstes Quartal 2018
Stand: Mai 2018; Quelle: FactSet

Rekordverdächtige Zwischenberichte
Wie gut es um die US-Firmen gestellt ist, zeigt die Berichtssaison zum ersten Quartal. Unter anderem dank der radikalen Steuerreform des 45. Präsidenten der USA, die im Kern eine Abgabensenkung für Unternehmen von 35 auf 21 Prozent vorsieht, wird die Berichterstattung mit neuen Rekorden abschliessen. Von den mittlerweile 91 Prozent der von S&P 500-Unternehmen vorgelegten Bilanzen schnitten 78 Prozent auf der Ergebnisseite besser als erwartet ab. Bleibt die Quote bis zum Ende der Zahlensaison so, würde dies einen neuen Höchststand seit dem Start der Aufzeichnung des Datendienstleisters FactSet im dritten Quartal 2008 bedeuten. Ebenso rekordverdächtig präsentiert sich die Gewinnwachstumsrate, die von Januar bis März auf einen Durchschnittswert von 24,9 Prozent kommt. Aus Branchensicht verzeichneten Energie, Rohstoffe, Informationstechnologie und Finanzen überproportionale Wachstumsraten.

Auch der Ausblick auf das laufende Quartal fällt positiv aus. Der Markt erwartet derzeit einen weiteren Ergebniszuwachs von 18,8 Prozent. Dabei kam es zuletzt zu einigen Aufwärtsrevisionen, mitunter am stärksten bei dem Handelsriesen Amazon um 74 Prozent. Beim Videostreamingdienst Netflix hellen sich die Aussichten ebenfalls auf. Nachdem der Marktführer im ersten Quartal sowohl bei den Nutzerzahlen als auch beim Umsatz und Gewinn stärker zulegen konnte, hoben die Analysten ihre Prognosen für das zweite Quartal im Schnitt um 21,3 Prozent an.

Zudem haben sich bereits einige Mitglieder im S&P 500 aus der Deckung getraut und einen Ausblick auf die laufende Geschäftsperiode veröffentlicht. Von den insgesamt 86 Gewinnprognosen fielen 36 positiv aus, 50 äusserten sich negativ. Die Quote von 58 Prozent erscheint zwar auf den ersten Blick besorgniserregend, sie liegt jedoch deutlich unter dem 5-Jahres-Durchschnitt von 72 Prozent.

Grafik 2: S&P 500 – Ausblick Gewinnwachstum zweites Quartal 2018
Grafik 2: S&P 500 – Ausblick Gewinnwachstum zweites Quartal 2018
Stand: Mai 2018; Quelle: FactSet

Historische Boomphase
Die US-Wirtschaft ist ebenfalls mit Schwung in das neue Jahr gestartet. Laut der ersten offiziellen Schätzung expandierte das BIP zwischen Januar und März annualisiert um 2,3 Prozent. Aufgrund der positiven Entwicklung könnte es schon bald zu einem entscheidenden Ereignis kommen: Die derzeitige Expansion nähert sich nämlich dem zweitlängsten je gemessenen Aufschwung in der US-Geschichte. Im Mai dürfte der gegenwärtige Boom die Marke von 106 Monaten, die Dauer der wirtschaftlichen Expansion der Sechzigerjahre, übertreffen. Der bisherige Rekord von 120 Monaten wurde in den Neunzigerjahren erreicht. Auf dem Arbeitsmarkt ist bereits eine neue Bestmarke gelungen. Mit rund 147 Millionen Menschen ist die Beschäftigung momentan so hoch wie nie zuvor.

Dass Donald Trump immer für eine Überraschung gut ist, daran dürften sich Investoren in den vergangenen Monaten gewöhnt haben. Kürzlich kam es wieder zu einem verblüffenden Kurswechsel. Zettelte der Präsident im Zuge seiner Protektionismus-Strategie erst kürzlich einen Handelskrieg mit China an, scheinen sich die Wogen nun wieder zu glätten. Trump kündigte nach einem Telefonat mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping an, dass die Sanktionen gegen den chinesischen Technologiekonzern ZTE gelockert werden könnten. Experten gehen nach der unerwarteten Kehrtwende nun auch in Peking von einer höheren Kompromissbereitschaft aus.

Grafik 3: S&P 500 – Gewinnentwicklung von 2008 bis 2019e
Grafik 3: S&P 500 – Gewinnentwicklung von 2008 bis 2019e
Stand: Mai 2018; Quelle: FactSet

Und täglich grüsst das Zinsgespenst
Während der Schwenk im Handelsstreit an der Wall Street für gute Laune sorgte, nahmen die Zinsen zuletzt immer die Rolle des Spielverderbers ein. Die Rendite für zehnjährige Bonds zog auf über 3 Prozent an. Das sorgte beim S&P 500 für deutliche Rückschläge. Anfang des Jahres setzte der Index um mehr als ein Zehntel zurück, ehe er sich im Bereich von 2.600 Punkten zu stabilisieren begann.

Mitte Mai sprang der Zins nun sogar auf seinen höchsten Stand seit Juli 2011. Und das, obwohl die Inflationsdaten für den April relativ moderat ausfielen. Die Teuerung nahm von 2,4 Prozent im Vormonat auf 2,5 Prozent zu. Gut 3 Prozent Rendite erscheint für die derzeit herrschenden europäischen Verhältnisse hoch. Ein Blick in die US-Geschichte zeigt aber, dass die Ängste übertrieben sein könnten. Von 1962 bis heute lagen die Zinsen im Durchschnitt bei 6,2 Prozent. Selbst vor der berüchtigten Finanzkrise befand sich die Rendite der US-Treasuries zwei Jahre lang im Mittel bei 4,7 Prozent. Ausgehend vom aktuellen Niveau ist es bis dahin noch ein gehöriges Stück.

Eigentlich gelten Technologieaktien als besonders zinssensitiv. Doch davon ist derzeit nichts zu spüren. Der Nasdaq 100 läuft dem Dow Jones und S&P 500 mit einem Plus von 8,3 Prozent seit Jahresbeginn locker den Rang ab. Unterstützung bekommt die Technologie-Börse von der guten Berichtssaison in dem Sektor. Zudem wird die Branche derzeit von den Analysten am höchsten bewertet. 61 Prozent der Ratings münden in einer Kaufempfehlung. Besonders beliebt bei den Experten ist Apple mit einer Note von 1,95, was einem Outperform-Rating gleichkommt. Aber nicht nur Marktbeobachter heben mehrheitlich den Daumen, Grossaktionär Warren Buffett zeigte sich jüngst sogar euphorisch gegenüber dem Kult-Konzern: »Ich würde gerne 100 Prozent davon besitzen«, sagte er in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNBC.

Tech-Konzerne im Wachstumsrausch
Während Apple respektable Zahlen für das abgelaufene Quartal vorlegte – vor allem das iPhone X erwies sich als Gewinnmaschine –, zündete Amazon mit seiner Bilanz eine wahre Überraschungsbombe. Der Handelskonzern pulverisierte mit ausgewiesenen 3,27 US-Dollar je Aktie regelrecht die Erwartungen der Analysten von 1,26 US-Dollar. Damit besetzt das Unternehmen den dritten Platz der grössten Ergebnisüberraschungen im S&P 500 von Januar bis März. Ebenfalls die Sektkorken knallen liessen Netflix und Twitter. Während es dem bis vor kurzem chronisch verlustreichen Kurznachrichtendienst gelang, das zweite Quartal in Folge mit schwarzen Zahlen abzuschliessen, übertraf der Videostreamingdienst Netflix zu Jahresbeginn nicht nur bei Umsatz und Gewinn die Erwartungen, sondern auch bei den Nutzerzahlen. Mittlerweile zählt der Marktführer weltweit 125 Millionen Abonnenten. Parallel zum Geschäftserfolg geht es auch mit der Aktie steil bergauf: Seit Silvester avancierte der Titel um mehr als 60 Prozent.

Erfreuliche Nachrichten gab es zuletzt ebenfalls von den Börsenneulingen Dropbox und Spotify. Der Online-Speicherdienst, der Ende März sein Debüt gab, trumpft bei seinem ersten Finanzbericht mit einem unerwartet hohen Umsatzplus von 28 Prozent auf. Die Dropbox-Aktie notiert momentan rund 40 Prozent über dem Ausgabepreis. Ebenfalls positiv entwickelte sich der weltgrösste Musikstreaming-Anbieter Spotify. Die Aktie befindet sich ein Fünftel oberhalb der Orientierungsmarke von 132 US-Dollar bei der Direktplatzierung an der NYSE. Allerdings hatte das Papier schon höhere Sphären erreicht. Nach der Bilanzvorlage kam es trotz des Erreichens der selbstgesteckten Vorgaben zu deutlichen Abschlägen. Sauer aufgestossen ist den Investoren, dass das Unternehmen aus Stockholm seine Jahresziele »nur« bestätigt und nicht angehoben hat sowie eine höhere Verlustprognose als erwartet für das laufende Quartal. So mussten viele Analysten mit ihren bereits vorausgeeilten Schätzungen wieder zurückrudern. Die Wachstumsstory von Spotify erscheint aber dennoch intakt: Erwartet werden 2018 ein Umsatzzuwachs von 30 Prozent und 36 Prozent mehr Premiumkunden.

Grafik 4: Vergleich – BIP-Wachstum USA/Euroraum/Japan
Grafik 4: Vergleich – BIP-Wachstum USA/Euroraum/Japan
Stand: Mai 2018; Quelle: IWF

Es muss nicht immer Hightech sein
Interessante US-Konzerne sind aber auch jenseits der Technologie-Welt zu finden. So kehrte zum Beispiel die Bekleidungsfirma Abercrombie & Fitch Co. im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2017/2018 nach längerer Durststrecke auf den Wachstumskurs zurück. Vor allem das Label Hollister zeigte eine hohe Dynamik. Darüber hinaus sorgen eingeleitete Sparmassnahmen für eine Verbesserung der operativen Marge.

Überproportionale Ergebnissteigerungen zieren auch die Bilanz von McDonald’s. Während der Umsatz leicht rückläufig war –, was der neuen Strategie geschuldet ist, bei der die Burgerkette den Anteil an Franchise-Restaurants erhöhen möchte –, kletterte der Nettoprofit um 13 Prozent empor. Auch der Besucherstrom reisst nicht ab: Die Erlöse auf vergleichbarer Fläche nahmen das elfte Quartal in Folge zu.

McDonald’s ist bereits die Nummer 1 in seiner Branche, der Rohstoffkonzern Newmont Mining gerade auf dem Weg dorthin. Im laufenden Jahr möchte der Goldminenbetreiber zwischen 4,9 und 5,4 Millionen Unzen produzieren. Zum Vergleich: Der weltgrösste Produzent des Edelmetalls, Barrick Gold, fertigte im abgelaufenen Jahr 5,32 Millionen. Newmont ist bereits gut in das neue Jahr gestartet. Auch wenn die Goldproduktion um 2 Prozent rückläufig war, mit 1,21 Millionen Unzen lag der Konzern bereits klar vor seinem ärgsten Widersacher, der zwischen Januar und März auf 1,05 Millionen kam. Auf der Ergebnisseite ging es derweil deutlich aufwärts. Der Gewinn je Aktie sprang von 0,09 US-Dollar im Vorquartal auf 0,36 US-Dollar empor, die Marktprognosen sahen nur einen Anstieg auf 0,33 US-Dollar vor.

Grafik 5: S&P 500 versus EURO STOXX 50 seit dem Gewinn der Präsidentschaftswahl von Donald Trump
Grafik 5: S&P 500 versus EURO STOXX 50 seit dem Gewinn der Präsidentschaftswahl von Donald Trump
Stand: Mai 2018; Quelle: Thomson Reuters

Anlageidee: Ausgewählte Produkte auf US-Aktien

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39963745

Abercrombie & Fitch

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25,50 USD

21.12.2018

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Abercrombie & Fitch

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25,50 USD

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1.500,00 USD

21.12.2018

Swiss DOTS

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1.500,00 USD

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Apple

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21.12.2018

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Dropbox

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32,00 USD

21.12.2018

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36,00 USD

15.03.2019

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McDonald’s

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170,00 USD

21.12.2018

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McDonald’s

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160,00 USD

15.03.2019

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Newmont Mining

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38,00 USD

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21.12.2018

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21.12.2018

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15.03.2019

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Stand: 18. Mai 2018; Quelle: Commerzbank AG

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