Wie Advanon mit Crowdfactoring eine neue Kategorie der Finanzierung geschaffen hat

Online-Marktplatz für KMU und Investoren

Dublin, August 2014. Drei Studenten treffen sich bei Google und teilen eine Vision: Sie wollen traditionelle Finanzierungsmodelle revolutionieren und so kleinen und mittelständischen Unternehmen zu Liquidität und somit Wachstum verhelfen. Das wäre die Kurzfassung der Gründungsgeschichte von Advanon. »Für KMU war es schwierig, den Cashflow zu optimieren. Traditionelle Banken kamen als Partner oft nicht in Frage. Diese Lücke wollten wir mit einem flexiblen, transparenten und schnellen Modell schliessen«, erinnert sich CEO Phil Lojacono.

Viele Mittagspausen und Nächte hindurch planten die Gründer ihr Projekt, das sie sofort nach der Zeit bei Google anpacken wollten. Die Idee: eine Plattform, die Unternehmen mit Liquiditätsbedarf und Investoren unmittelbar zusammenbringt. Damit sollten sie das alte, von Banken dominierte Geschäftsmodell des Factoring revolutionieren, bei dem Firmen ihre ausstehenden Debitoren-Rechnungen gegen einen Kredit verkaufen, und schufen eine neue Kategorie: Crowdfactoring.

»Zusammenarbeit führt zu gesunden Ökosystemen«
KMU laden über das Portal ihre ausstehenden Rechnungen hoch und Investoren können diese direkt finanzieren. Dadurch verhelfen die Investoren KMU zu einer vollständigen Ausschöpfung ihres Potenzials und profitieren gleichzeitig von einer neuen, attraktiven Anlageklasse innerhalb eines breit gestreuten Portfolios. »Wir wollten gerade für junge Unternehmen eine unkomplizierte Lösung bieten und ihnen damit einen Wachstumsschub verpassen«, sagt Mitgründer Stijn Pieper.

Gegründet im März 2015, ging advanon.com im folgenden Sommer live. Im September 2015 finanzierte das Unternehmen die ersten Rechnungen. Inzwischen ist Advanon Kooperationen mit Axa Winterthur und anderen starken Partnern eingegangen. Namhafte Aktionäre wie Urs Wietlisbach (Gründer der Partners Group), Eric Sarasin (früher Bankhaus J. Safra Sarasin) und Daniel Gutenberg (Facebook-Investor der ersten Stunde) unterstützen Advanon seit der Gründung. Ende 2017 expandierte das Unternehmen in den deutschen Markt. Phil Lojacono prognostiziert: »Die Zukunft der Finanzierung besteht in der Zusammenarbeit von traditionellen Dienstleistern und innovativen Fintechs. Wenn alle Seiten ihre Stärken einbringen, entsteht ein gesundes und funktionierendes Ökosystem, in dem alle einen Platz haben.«

Unternehmenskultur als Erfolgsfaktor
Auch im Bereich Unternehmenskultur geht Advanon neue Wege. »Wir wollten von Anfang an ein modernes Unternehmen sein, bei dem der Output zählt und nicht die reine physische Anwesenheit«, sagt CEO Phil Lojacono. »Deshalb messen wir Ziele und nicht Stunden.« Advanoners haben unlimitiert Ferien und können acht Wochen »remote«, also von überall aus arbeiten. Die sogenannten AdvaPerks bestehen aus Leistungen für alle und individuellen Wahlangeboten wie Netflix und Spotify, einer Jahresmitgliedschaft im Fitnessstudio, einer Steuerberatung, einem Wäscheservice oder kostenlosen Uber-Fahrten. Ausserdem sind die Mitarbeiter an der Firma beteiligt: »So werden alle zu Unternehmern und jeder partizipiert direkt am Erfolg oder Misserfolg«, sagt Lojacono.

Advanon ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, etwa dem »Working Capital Management Award« der PostFinance in der Kategorie Innovation und dem Swiss Fintech Award »Top 4 Swiss FinTech Company«. Ausserdem ist Advanon Gewinner der bekannten Swisscom StartUp Challenge und zählt zu den zehn Besten der »TOP 100 Swiss Startups of 2017«.