Commerzbank Analysen

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Softwarebranche – Lukrative Programmcodes

Von wegen Konjunkturschwäche: Die Wachstumsraten im weltweiten Softwaresektor suchen ihresgleichen. Darüber hinaus sorgen immer neue Technologietrends für eine Konsolidierung in der Branche. Aber nicht alles ist eitel Sonnenschein, der verschärfte Wettbewerb hinterlässt zum Teil auch seine Spuren in den Bilanzen.

Längst ist klar: Ohne Computer läuft auf dieser Welt nichts mehr. Wie abhängig der Mensch im Alltag von den Rechnern und deren Software ist, zeigte sich Anfang des Jahres im Kantonsspital Luzern. Dort legte ein Programmierungsfehler einen Teil des überlebenswichtigen Notrufsystems lahm. Allerdings sind diese »Bugs« eher die Ausnahme als die Regel. Die Softwarecodes steuern schliesslich nahezu das gesamte öffentliche Leben.

Daher verwundert es auch nicht, dass sich die Technologiebranche weiterhin einer grossen Nachfrage erfreut. Laut jüngsten Studienergebnissen von Capgemini gehen im laufenden Jahr 44 Prozent der Unternehmen in der Schweiz, Deutschland und Österreich davon aus, ihre IT-Budgets zu steigern. Das sind zwar 5 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr, doch gleichzeitig planen nur 2,5 Prozent, die Ausgaben zu kürzen. 2018 waren es mit 15 Prozent deutlich mehr. Die Marktforscher folgern daraus, dass sich der »positive Trend der vergangenen beiden Jahre« fortsetzen wird.

Wachstumsgewinner Software
Aber nicht nur in der DACH-Region (Länder D, A, CH) stehen die Zeichen auf Wachstum. Laut der Analysefirma Gartner werden die IT-Ausgaben 2019 weltweit zunehmen. Zugegeben, die Geschwindigkeit dürfte etwas abnehmen, mit prognostizierten 3,2 Prozent bleibt das Tempo aber hoch. Dies würde einem Volumen von 3,8 Billionen US-Dollar gleichkommen. Auch wenn in absoluten Zahlen gemessen der Technologiebereich »Communication Services« mit 1,4 Billionen US-Dollar den grössten Anteil des IT-Kuchens auf sich vereint, mit einem Plus von 1,2 Prozent weist das Segment gleichzeitig das geringste Wachstum auf. Der grösste prozentuale Anstieg wird dagegen bei »Enterprise Software« erwartet, das im laufenden Jahr um 8,3 Prozent auf 439 Milliarden US-Dollar zulegen soll.

Wachstumsmotor im Bereich der Unternehmenssoftware sind wiederum die Cloud-Angebote. Die Experten von Gartner gehen davon aus, dass sich die Umsätze 2019 um 17,5 Prozent auf 214 Milliarden US-Dollar erhöhen werden. Folglich dürften sich nicht nur die klassischen Softwarekonzerne über die steigenden IT-Ausgaben freuen, auch führende Cloud-Anbieter wie Amazon und Alphabet greifen ihren Teil von den riesigen Budgets ab.

Grafik 1: Prognostiziertes Wachstum der weltweiten IT-Ausgaben nach Segment

(im Vergleich zum Vorjahr)

Grafik 1: Prognostiziertes Wachstum der weltweiten IT-Ausgaben nach Segment (im Vergleich zum Vorjahr)
Stand: 19. Februar 2019; Quelle: Statista

Bilanzen mit Schönheitsfehlern
Doch der Reihe nach: Die Softwareunternehmen freuen sich ringsum über stetig zunehmende Geschäfte. Allerdings sind die Anleger mittlerweile derart verwöhnt, dass selbst kleinste Wachstumsabweichungen mit Kursrückschlägen bestraft werden. Dies bekam jüngst SAP zu spüren. In der Bilanz von Europas grösstem Softwarekonzern zeigten sich im abgelaufenen Geschäftsjahr überraschend Schwächen im Zukunftsgeschäft mit der Wolke. Im vierten Quartal legte das Segment währungsbereinigt nur noch um 23 Prozent zu und damit so langsam wie noch nie im Jahresverlauf. Allerdings ist das lediglich ein kleiner Makel, denn konzernweit konnte SAP seine mehrfach angehobene Prognose für Umsatz und Gewinn klar erfüllen. Und das Wachstum soll anhalten: Für das laufende Jahr stellen die Walldorfer einen weiteren Gewinnanstieg von 11,5 Prozent in Aussicht.

Auch beim weltgrössten Softwarekonzern Microsoft war es der harte Konkurrenzkampf bei der Mietsoftware, der dem Zahlenkranz für 2018 etwas den Glanz raubte. Im abgelaufenen Quartal per Ende Dezember betrug das Plus »nur« noch 76 Prozent, im Vorjahreszeitraum waren es noch 98 Prozent. Der »Intelligent Cloud«-Umsatz, also alles, was für Geschäftskunden rund um Azure angeboten wird, nahm um ein Viertel auf 9,4 Milliarden US-Dollar zu. Vorstandschef Satya Nadella zeigt sich weiterhin optimistisch: »Jedes Unternehmen wird ein digitales Unternehmen, und wenn man diese Chancen mit unseren Fähigkeiten abgleicht, sieht man, dass wir die breiteste Plattform von allen Anbietern haben.« Damit spielt Nadella unter anderem auf Platzhirsch Amazon an, dessen Cloud-Lösung AWS mit mehr als 30 Prozent Marktanteil weltweit die Spitzenposition einnimmt. Zuletzt hatte der E-Commerce-Riese eine »On-Premise«-Lösung vorgestellt, mit deren Hilfe die Kunden Hard- und Software in ihr eigenes Rechenzentrum stellen können. Damit greift Amazon das Vergleichsprodukt »Azure Stack« von Microsoft an, das allerdings bereits seit Jahren auf dem Markt ist.

Grafik 2: SAP versus Microsoft
Grafik 2: SAP versus Microsoft
Stand: 19. Februar 2019; Quelle: Reuters

Fressen und gefressen werden
Dass die Zukunft und das Wachstum der Softwareunternehmen in der Cloud sowie in anderen Megatrends liegt, zeigt auch das Beispiel Software AG. Deutschlands Nummer 2 möchte mit der kürzlich bekannt gegebenen Neuausrichtung in die »neue Ära der Digitalisierung« eintreten. Dazu setzt der seit August amtierende Vorsitzende Sanjay Brahmawar vor allem auf die Bereiche Datenintegration und Internet der Dinge (IoT), angesichts der aktuellen Wachstumsraten in diesem Segment eine durchaus nachvollziehbare Strategie. Im vierten Quartal 2018 verdoppelte sich das »Cloud & IoT«-Geschäft im Vergleich zum Vorjahr. Übernahmen sind bei der Software AG ebenfalls ein Thema: »Wir haben die nötige Finanzkraft, um unser Geschäft auch durch gezielte M&A-Transaktionen zu transformieren«, sagte Finanzvorstand Arnd Zinnhardt bei der Zahlenvorlage. Möglich sind Zukäufe in einer Grössenordnung von bis zu 1,5 Milliarden Euro.

Übernahmen sind in der Softwarebranche keine Rarität. Erst vergangenen Herbst schnappte sich »Big Blue« IBM mit einem Aufschlag von rund zwei Drittel den Open-Source-Spezialisten Red Hat. Auch die heimische Temenos sorgte zuletzt mit einer Akquisition für Schlagzeilen. Der Spezialist für Bankensoftware leibte sich Ende 2018 für 245 Millionen US-Dollar Avoka ein. Das US-Unternehmen soll den Westschweizern dabei helfen, dass Kunden künftig schneller zu einem Bankkonto kommen. Mit der Lösung der neuen Tochter reduziert sich die Zeit für eine Kontoeröffnung bei einer grossen Bank um 70 Prozent. Temenos ist in einer sehr lukrativen Nische tätig, denn die Finanzhäuser sind derzeit der Digitalisierung sowie einem regulatorischen Druck ausgesetzt. »Unser Endmarkt beschleunigt sich weiter, und wir nutzen diese Dynamik, um ein signifikantes Wachstum zu erzielen«, sagte CEO David Arnott bei der Vorlage der jüngsten Geschäftszahlen. Das Jahr 2018 fügte sich optimal in den Wachstumskurs der vergangenen Jahre ein. So legte der Umsatz um 14 Prozent zu, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um 19 Prozent.

Ein Ende des Wachstums scheint nicht in Sicht. Das Unternehmen stellt ein Umsatzplus von 16 bis 19 Prozent für das laufende Jahr in Aussicht. Die hochprofitablen Lizenzeinnahmen sollen sogar noch schneller um 17,5 bis 22,5 Prozent zulegen. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erwartet Temenos einen Wert zwischen 310 und 315 Millionen US-Dollar, was einem Zuwachs von ca. 18 Prozent entsprechen würde. Mittelfristig geht das Unternehmen davon aus, das Geschäftsvolumen jährlich um 10 bis 15 Prozent zu steigern und dabei die Rentabilität, gemessen an der Ebit-Marge, um 100 bis 150 Basispunkte p.a. zu verbessern.

Grafik 3: Temenos
Grafik 3: Temenos
Stand: 19. Februar 2019; Quelle: Reuters

Gekaufte Sicherheit
Die zunehmende Digitalisierung des Alltags hat aber auch ihre Schattenseiten, denn synchron nehmen auch die virtuellen Bedrohungen zu. Laut dem State of Cyber Resilience Report 2018 des Beratungshauses Accenture legte die Anzahl der Cyber-Angriffe pro Unternehmen gegenüber dem Vorjahr um mehr als das Doppelte zu. Aufgrund immer effektiveren Abwehrmechanismen konnten im vergangenen Jahr aber 87 Prozent der befragten Unternehmen die Angriffe vereiteln, 2017 betrug die Quote erst 70 Prozent. Letztlich sorgt die Computerkriminalität dafür, dass auch der Markt für IT-Security-Software dynamisch wächst. Ein breites Angebot an Sicherheits-Hard- und Software bietet zum Beispiel der Netzwerkriese Cisco. Marktforscher Gartner hat den US-Konzern im bedeutenden »Magic Quadrant 2018« bei Firewalls für Unternehmensnetzwerke als führenden Anbieter positioniert. Dabei bildet die Cisco Adaptive Security Appliance-Software das Kernbetriebssystem. Der Erfolg lässt sich auch in der Bilanz ablesen. Unter anderem dank guter Geschäfte mit neuen Softwarelösungen legte der US-Konzern im zweiten Geschäftsquartal deutlich zu. Der Umsatz stieg um 7 Prozent auf 12,4 Milliarden US-Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie sogar um 16 Prozent auf 0,73 US-Dollar. Analysten hatten bei beiden Kenngrössen etwas weniger auf der Rechnung. Auch der Ausblick fiel besser aus als von Marktteilnehmern erwartet.

Grafik 4: Temenos Lizenzverkäufe
Grafik 4: Temenos Lizenzverkäufe
Stand: 19. Februar 2019; Quelle: Reuters

Lukrative Softwarenische
Wer an Computerprogramme denkt, hat in der Regel schnell Microsoft oder SAP vor Augen. Doch nicht nur die klassischen Softwarekonzerne verdienen mit ihren Programmen prächtig, auch in der Spielewelt kommt es entscheidend auf die Software an. Spitzenreiter im Verkauf ist derzeit Nintendo. Rund 16,7 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielten die Japaner mit Videospielen im vergangenen Jahr. Alleine von April bis Dezember wurden 94,6 Millionen Software-Einheiten verkauft. Der Bereich steuert auch das Gros zu den Gewinnen bei. Und da es gerade so gut läuft, hob das Unternehmen, das vor allem für Spiele rund um bekannte Figuren wie Super Mario oder Zelda sowie das Smartphone-Spiel Pokemon Go bekannt ist, das Verkaufsziel für das Gesamtjahr 2018/2019 von 100 auf 110 Millionen Einheiten an.

Anlageidee: Produkte auf Softwareunternehmen

Warrants

Valor

Basiswert

Typ

Strike

Laufzeit

Handelsplatz

43538708

Cisco

Call

52,00 USD

20.09.2019

Swiss DOTS

43625285

Cisco

Put

48,00 USD

20.09.2019

Swiss DOTS

46007984

IBM

Call

150,00 USD

20.12.2019

Swiss DOTS

46008207

IBM

Put

120,00 USD

20.12.2019

Swiss DOTS

43538771

Microsoft

Call

115,00 USD

20.09.2019

Swiss DOTS

44228512

Microsoft

Put

95,00 USD

20.09.2019

Swiss DOTS

42656655

Nintendo

Call

34.000,00 JPY

21.06.2019

Swiss DOTS

Unlimited Turbo-Zertifikate

Valor

Basiswert

Typ

Stoppschwelle

Handelsplatz

45698749

Amazon

Bull

1.371,01 USD

Swiss DOTS

44036259

Amazon

Bear

1.971,22 USD

Swiss DOTS

44727688

SAP

Bull

80,48 EUR

Swiss DOTS

44727691

SAP

Bear

112,10 EUR

Swiss DOTS

44934689

Temenos

Bull

112,60 CHF

Swiss DOTS

Faktor-Zertifikate

Valor

Basiswert

Strategie

Faktor

Handelsplatz

37645099

SAP

Long

8

SIX Swiss Exchange

37645119

SAP

Short

–8

SIX Swiss Exchange

40561331

Temenos

Long

3

Swiss DOTS

40561333

Temenos

Short

–3

Swiss DOTS

Stand: 28. Februar 2019; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die massgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.ch zur Verfügung.