Commerzbank Analysen

Gesundheit: Defensiver Sektor, offensives Wachstum

In der Health-Care-Branche ist derzeit einiges geboten. Während hierzulande Novartis mit der Abspaltung von Alcon für Schlagzeilen sorgt und in der Folge sogar den SMI durcheinanderwirbelt, befinden sich andere Pharmariesen im Wettlauf um neue Medikamente. Für Wachstumschancen in der Branche sorgen zum einen sich stark ausbreitende Volkskrankheiten wie Diabetes oder Demenz, zum anderen neue Behandlungsansätze wie die Gentherapie. Diese Entwicklungen ermöglichen auch Chancen für Anleger.

Die Schweiz wird immer gesünder. Weitreichende Prävention, weniger Genussmittel oder auch erfolgreiche Behandlungen bei Krebs lassen die Lebenserwartung immer weiter steigen. Noch vor 50 Jahren hatte ein Säugling im Schnitt nur rund 70 Jahre vor sich, heute werden die Frauen und Männer mehr als 80 Jahre alt. Doch frei von Krankheiten sind die Menschen auch hierzulande nicht, Diabetes, Herzinfarkte sowie Tumore prägen weiterhin das Bild. Andere Beschwerden wie Alzheimer als Folgeerscheinung eines längeren Lebens sind sogar auf dem Vormarsch. Bis zum Jahr 2040 sollen sich die Alzheimerpatienten hierzulande auf 300.000 verdoppeln.

Auch weltweit schreitet die Erkrankung des Gehirns voran. Derzeit sind rund 47 Millionen Menschen rund um den Erdball davon betroffen. Schätzungen zufolge kommt alle drei Sekunden ein Neuerkrankter hinzu. Der Welt-Alzheimer-Report geht davon aus, dass bis 2030 die Zahl auf 74,7 Millionen steigen wird, und 2050 soll es bereits 131,5 Millionen Demenzfälle geben. Das verursacht enorme Kosten: Lagen die Belastungen 2015 noch bei 818 Milliarden US-Dollar, sind sie im vergangenen Jahr über die Billionengrenze gesprungen.

Grosser Forschungsdrang
Angesichts dieser Summen wundert es nicht, dass die Pharma- und Biotech-Industrie auf diesem Gebiet kräftig forscht. Ein wirksames Medikament ist allerdings nicht einfach zu finden. Anfang dieses Jahres musste bereits Roche seinen Hoffnungsträger »Crenezumab« in Phase III stoppen, wenige Wochen später stellte der US-Konzern Biogen die Studien zu seinem Wirkstoff »Aducanumab« ein. Die Enttäuschung des Börsenpublikums war gross: Biogen verlor rund ein Fünftel seiner Marktkapitalisierung.

In anderen Bereichen wie der Volkskrankheit Diabetes sind dagegen bereits eine Fülle von Arzneien auf dem Markt. Das US-Pharma-Unternehmen Eli Lilly oder auch die französische Sanofi haben sich der Stoffwechselkrankheit verschrieben. Führend in der Diabetesversorgung ist allerdings Novo Nordisk. Das spiegelt sich in der Bilanz wider: Aufgrund des neuen Hoffnungsträgers »Ozempic«, der im vergangenen Jahr nun auch in Europa die Zulassung bekam, konnten die Dänen zum Jahresauftakt ihren Umsatz um 9 Prozent und das operative Ergebnis um 14 Prozent steigern. Damit wurden die Analystenerwartungen übertroffen. Experten zufolge hat das Medikament für Typ-II-Diabetiker, das nur einmal wöchentlich eingenommen werden muss, ein Umsatzpotenzial von mehr als 2,2 Milliarden US-Dollar bis 2022. Im ersten Quartal waren es noch nicht einmal 200 Millionen US-Dollar.

Dynamische Jahresstarts
Konkurrent Sanofi musste dagegen im Diabetessegment zuletzt kleinere Brötchen backen. Zwar ist der langjährige Kassenschlager, das Langzeitinsulin »Lantus«, immer noch das umsatzstärkste Mittel des französischen Unternehmens. Allerdings gehen die Erlöse kontinuierlich zurück. Aber Sanofi hat noch mehr als Diabetesarzneien zu bieten. Da wäre zum einen das Impfstoffgeschäft, das im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres um satte 20 Prozent expandierte. Gefragt war unter anderem der Impfstoff »Pentaxim« gegen Keuchhusten und Kinderlähmung sowie »Menactra« gegen Hirnhautentzündungen. Der Bereich seltene Krankheiten ist ebenfalls ein Wachstumsmotor im Unternehmen. Bereits zwei Quartale in Folge wies die Tochter Genzyme kräftige Umsatzsteigerungen von nahezu einem Drittel aus. In der Folge erzielte Sanofi von Januar bis März einen Umsatzanstieg um 6,2 Prozent sowie ein Ergebnisplus von knapp 11 Prozent. Das lag nicht nur über den Erwartungen der Analysten, sondern auch deutlich über den ausgegebenen Jahreszielen. Diese sehen einen Gewinnanstieg um 3 bis 5 Prozent vor.

Über einen glänzenden Jahresauftakt darf sich auch Roche freuen. Dieser fiel sogar so überraschend gut aus, dass der heimische Pharmariese seine Prognose für das laufende Jahr nach oben schraubte. Die Entwicklung von Januar bis März reiht sich nahtlos in die Wachstumskurve der vergangenen Jahre ein. Im Schnitt legte der Konzernumsatz in den zurückliegenden fünf Jahren im ersten Quartal um 5,75 Prozent p.a. zu. In diesem Jahr konnte der weltweit führende Krebsmittelhersteller seine Erlöse sogar um 8 Prozent auf 14,8 Milliarden Schweizer Franken steigern. Das Unternehmen profitierte von Medikamenten wie »Ocrevus« zur Behandlung von Multipler Sklerose oder auch den beiden Krebsmitteln »Perjeta« und »Tecentriq«.

Grafik 1: STOXX Europe 600 Health Care-Index
Grafik 1: STOXX Europe 600 Health Care-Index
Stand: Mai 2019; Quelle: Reuters
Grafik 2: Roche versus Novartis versus Sanofi
Grafik 2: Roche versus Novartis versus Sanofi
Stand: Mai 2019; Quelle: Reuters

Fusionen auf der einen Seite ...
Um den Wachstumsmotor am Laufen zu halten, investiert Roche kräftig in die Zukunft. Dies gilt allerdings nicht nur für die eigene Forschungsabteilung, sondern die Basler setzen zudem auf anorganische Expansion. Zurzeit versucht Roche, die US-Gentherapiefirma Spark Therapeutics für 4,3 Milliarden US-Dollar zu schlucken. Gelingt der Deal, würde Roche auf einen Schlag zu den Topunternehmen in der Gentherapie aufsteigen. Dem zukunftsträchtigen Bereich, der zu der regenerativen Medizin zählt, wird ein enormes Potenzial vorausgesagt. Laut der Unternehmensberatung Roland Berger könnte sich das Marktvolumen von 23 Milliarden Euro 2018 auf 130 Milliarden Euro 2025 mehr als verfünffachen (siehe Grafik 3).

Grafik 3: Weltweiter Umsatz mit regenerativer Medizin
Grafik 3: Weltweiter Umsatz mit regenerativer Medizin
Stand: Mai 2019; Quelle: Statista

... Scheidung auf der anderen
Während sich die einen zusammenschliessen, stehen bei den anderen die Zeichen auf Trennung – so bei Novartis und Alcon. Im April spaltete Novartis die Augenheilfirma ab und brachte diese an den Kapitalmarkt. Damit haben die Basler bei ihrem Konzernumbau einen grossen Schritt nach vorne gemacht und setzen in Zukunft ausschliesslich auf Arzneien. Dies gilt auch für die Augenmedikamente von Alcon, mit denen der Novartis-Konzern zuletzt aufsummiert einen Umsatz von 4,6 Milliarden US-Dollar erzielte.

Dass dieses Gebiet für Novartis weiter interessant ist, zeigt ein jüngster Deal. Das Unternehmen kaufte Anfang Mai das Augenarzneimittel »Xiidra« vom japanischen Konkurrenten Takeda für 3,4 Milliarden US-Dollar. Aber auch in anderen Bereichen gibt Novartis Gas. So sollen in den kommenden zwei Jahren zehn Medikamente auf den Markt kommen, die das Potenzial für Milliardenumsätze haben. Laut Unternehmensangaben befinden sich noch 20 weitere potenzielle Blockbuster-Mittel in der Pipeline.

Das gute Pharmageschäft sorgte auch dafür, dass Novartis dynamisch ins neue Jahr startete. Vor allem Medikamente wie »Cosentyx« gegen Schuppenflechte sowie das Herzmittel »Entresto« schoben die Geschäfte an. Für den weiteren Jahresverlauf ist CEO Vas Narasimhan zuversichtlich: »Wir könnten 2019 bis zu vier Blockbuster auf den Markt bringen.« Daher schraubte der Chef die Prognose etwas nach oben.

Schwergewichtige Branche
Bei Alcon fiel der Jahresauftakt dagegen weniger berauschend aus. Erhöhte Kosten sorgten sogar dafür, dass das erste Quartal mit einem Betriebsverlust von 48 Millionen US-Dollar beendet wurde. Der Umsatz stagnierte derweil bei 1,78 Milliarden US-Dollar. Der Börsenneuling glaubt aber an eine Besserung im Laufe des Jahres: Für 2019 stellt Alcon einen Umsatzanstieg von 3 bis 5 Prozent in Aussicht.

Apropos Börsenneuling. Die Scheidung bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den SMI. Aufgrund der Grösse von Alcon wurde die Aktie sofort in den Schweizer Leitindex aufgenommen. Folglich erhöhte sich auch das Gewicht des Gesundheitssektors. Mehr als 40 Prozent der Indexkapitalisierung entfallen auf das Health-Care-Quartett Alcon, Lonza, Novartis und Roche.

Klein, aber fein
Neben den genannten Gesundheitsriesen sind hierzulande auch interessante mittelgrosse Unternehmen zu finden, wie zum Beispiel Basilea oder BB Biotech. Erstgenannter ist derzeit mit dem Antimykotikum »Cresemba« sowie dem Antibiotikum »Zevtera« auf Erfolgskurs, die mehr als 60 Prozent zu den Erlösen beisteuern. Um noch breiter aufgestellt zu sein, greift Basilea tief in die Tasche. 2018 haben sich die Forschungsgelder nahezu verdoppelt. Hoffnungsträger ist unter anderem das Antibiotikum »Ceftobiprol«, das derzeit den Phase-III-Prozess in den USA durchläuft.

Mit BB Biotech können Anleger viele Fliegen mit einer Klappe schlagen. Dabei handelt es sich um eine Beteiligungsgesellschaft, in deren Portfolio sich mehr als 30 Unternehmen befinden. Diese reichen von Incyte über Celgene und Gilead bis zu Vertex. Im ersten Quartal kamen zwei neue Positionen hinzu.

BB Biotech setzt auf die beiden Gentherapiehersteller CRISPR Therapeutics sowie Homology Medicines. Dass das Management bei seinen Investments ein gutes Händchen beweist, zeigt ein Blick auf den Kursverlauf: Die BB Biotech-Aktie legte in den vergangenen drei Jahren um 44 Prozent zu und schnitt damit 15 Prozentpunkte besser ab als der SMIM (siehe Grafik 4) – Gesundheit kann sich also auch für Anleger auszahlen.

Grafik 4: BB Biotech versus SMIM
Grafik 4: BB Biotech versus SMIM
Stand: Mai 2019; Quelle: Reuters

Diversifiziertes Gesundheitspaket: ETF auf den STOXX Europe 600 Health Care-Index

Breit gestreut lässt sich mit dem ComStage STOXX Europe 600 Health Care UCITS ETF in den Sektor investieren. Im Index befinden sich insgesamt 55 Mitglieder. Geografisch gibt die Schweiz mit einem Anteil von 38 Prozent den Ton an. Die Top-5-Konzerne sind Novartis, Roche, GlaxoSmith-Kline, Sanofi und Astra Zeneca. Auf Sicht von fünf Jahren erzielte der Index eine jährliche Rendite von 7,3 Prozent.

ComStage UCITS ETF auf

Valor

Pauschalgebühr p.a.

Ertragsverwendung

Geld-/Briefkurs

STOXX Europe 600 Health Care

4561515

0,25 %

Ausschüttend

152,19/152,36 CHF

Stand: Mai 2019; Quelle: Commerzbank AG

Ausgewählte Produkte

Unlimited Turbo-Zertifikate

Valor

Basiswert

Typ

Stoppschwelle

Handelsplatz

47291212

Alcon

Bull

46,8100 CHF

Swiss DOTS

47293050

Alcon

Bull

54,9100 CHF

Swiss DOTS

47291223

Alcon

Bear

70,6000 CHF

Swiss DOTS

44144148

Basilea

Bull

31,8800 CHF

Swiss DOTS

45747099

BB Biotech

Bull

53,9900 EUR

Swiss DOTS

44728092

BB Biotech

Bear

67,7800 EUR

Swiss DOTS

46210626

Novartis

Bull

74,0500 CHF

Swiss DOTS

44698557

Novartis

Bear

95,8300 CHF

Swiss DOTS

44727378

Novo Nordisk

Bull

267,9200 DKK

Swiss DOTS

44727382

Novo Nordisk

Bear

371,4800 DKK

Swiss DOTS

45630114

Roche

Bull

232,7200 CHF

Swiss DOTS

44698631

Roche

Bear

314,9400 CHF

Swiss DOTS

44727675

Sanofi

Bull

63,0905 EUR

Swiss DOTS

44727679

Sanofi

Bear

87,4300 EUR

Swiss DOTS

Faktor-Zertifikate

Valor

Basiswert

Strategie

Faktor

Handelsplatz

34509115

Novartis

Long

8

SIX Exchange

33857545

Novartis

Short

–3

Swiss DOTS

33857437

Roche

Long

10

Swiss DOTS

33100461

Roche

Short

–5

SIX Exchange

34417209

Sanofi

Long

4

Swiss DOTS

34417278

Sanofi

Short

–4

Swiss DOTS

Stand: 27. Mai 2019; Quelle: Commerzbank AG
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die massgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.ch zur Verfügung.