Commerzbank Analysen

Japanischer Yen: Sicherer Hafen – für viele Stürme

Der japanische Yen konnte zunächst deutlich zulegen. Er dürfte einen Teil dieser Stärke behalten, solange globale (handels-) politische Risiken hoch bleiben. Denn er ist der ideale »sichere Hafen«. Aber auch danach dürfte der japanische Yen zur Stärke tendieren, denn die Geldpolitik dürfte dann rasch in Richtung »Normalisierung« umschlagen.

Japanischer Yen ist sicherer Hafen bei Handelskonflikten
Im Mai und Anfang Juni konnte der japanische Yen deutlich zulegen. Dazu trugen sicherlich zum Teil kurzfristige Faktoren bei. Die eskalierenden Handelskonflikte der USA mit ihren Handelspartnern sind Anlass genug, dass der Markt »sichere Häfen« sucht. Und das ist am Devisenmarkt nun einmal vor allem die japanische Währung.

Sicherlich lässt auch die Angst vor Handelskriegen und ihren unabsehbaren Folgen immer mal wieder nach. Aber sie wird nicht verschwinden. Dafür hat die US-Regierung gesorgt, deren unstete Handelspolitik das Überraschungspotenzial dauerhaft hochhalten und damit für anhaltende Nachfrage nach Sicherer-Hafen-Währungen sorgen dürfte.

Grafik 1: Japan – Rendite 10-jähriger Staatsanleihen
Grafik 1: Japan – Rendite 10-jähriger Staatsanleihen
Stand: Juni 2019; Quelle: Bloomberg, Commerzbank Research
Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Renditen fallen und geldpolitische Normalisierung ist vertagt
Die Renditen lang laufender japanischer Staatsanleihen sind weiter gesunken und notieren nun um –0,10 Prozent, das heisst auf niedrigstem Stand seit Sommer 2016. Sie folgen damit im Wesentlichen dem globalen Trend fallender Renditen.

Lange war damit zu rechnen, dass die Bank of Japan (BoJ) höhere Renditen zulassen würde, um den negativen Effekt der dauerhaft flachen Renditekurve auf die Profitabilität des heimischen Bankensystems zu mildern. Zunächst ist solch ein Schritt vom Tisch. Denn er wäre angesichts der niedrigen Rendite gegenstandslos. Mit anderen Worten: Momentan ist nicht die Zeit, Geldpolitik zu normalisieren – in Japan genauso wenig wie sonst wo. Dafür sind die Handelskonflikte und (in enger Korrelation) die globalen Konjunktursorgen zu drückend.

Der japanische Yen ist der ideale sichere Hafen
Warum ist der japanische Yen ein so beliebter sicherer Hafen? Unseres Erachtens ist die Tatsache, dass der geldpolitische Lockerungsspielraum für die BoJ ausgeschöpft ist, dafür der Grund. Egal, wie schlimm es mit der globalen Konjunktur läuft, die BoJ hat de facto kaum noch Lockerungsspielraum. Dabei ist die Tatsache, dass ihr die expansiven geldpolitischen Instrumente schon fast ausgegangen sind, noch nicht einmal das grösste Problem. Ja, der BoJ würde es schwerfallen, ihr Anleihenkaufvolumen noch einmal heftig auszudehnen. Denn schon jetzt ist der JGB-Markt de facto ausgetrocknet. Doch dürften Japans Währungshüter das auch gar nicht wollen.

Denn schon seit einiger Zeit ist die BoJ zur Erkenntnis gelangt, dass die langfristig negativen Folgen ihrer expansiven Geldpolitik überwiegen: Sie erodieren die Profite der Geschäftsbanken und sind deshalb nicht förderlich, deren Eigenkapital-Ausstattung zu verbessern. Die ist aber in Zeiten hoher Überschussliquidität der begrenzende Faktor für die Kreditvergabe der Banken. Die künstliche Verflachung der Zinskurve durch die BoJ verstärkte das Problem, denn seitdem ist auch Fristentransformation keine systematische Einnahmequelle für Banken mehr. Ergo: Eine Zentralbank kann auch zu expansiv sein. Kurzfristig ist das in der Regel kein Problem. Doch in Japan ist die Geldpolitik seit fast 30 Jahren expansiv. Keine Zentralbank hat so offensichtlich das Ende der geldpolitischen Fahnenstange erreicht wie die BoJ. Egal, wie schlimm es mit der Weltkonjunktur kommt, von ihr sind bestenfalls minimale bzw. symbolische geldpolitische Schritte zu erwarten. Das macht den japanischen Yen zum sicheren Hafen, egal, wie schlimm es mit Japans Staatsfinanzen und der heimischen Konjunktur steht.

Konjunkturbild dürfte sich aufhellen
Freilich rechnen wir im Prognosehorizont (genauer: noch für 2019) mit einem sich wieder aufhellenden globalen Konjunkturbild. Die konjunkturelle Situation in China dürfte sich zumindest stabilisieren. Und auch für die USA erwarten wir zwar niedrigere Wachstumsraten, gleichzeitig aber nachlassende Rezessionssorgen. Das dürfte den Risikoappetit an den Finanzmärkten wieder anfachen und den japanischen Yen tendenziell schwächen.

In der Tat erwarten wir zunächst leicht höhere Euro-/US-Dollar-Notierungen. Allerdings ist das Potenzial für eine japanische Yen-Schwäche sehr begrenzt. Denn sobald es konjunkturell wieder aufwärtsgeht, wird die BoJ wieder Spielräume für geldpolitische Normalisierung nutzen wollen, weil sie abseits aller konjunkturpolitischen Überlegungen die strukturelle Belastung des heimischen Bankensystems minimieren will. Daher ist die Schwäche des japanischen Yen – selbst wenn sie sich in dem einen oder anderen Japanischer-Yen-Wechselkurs sichtbar niederschlagen sollte – voraussichtlich wenig ausgeprägt. Im Wechselkurs US-Dollar/Japanischer Yen dürfte sie von der US-Dollar-Schwäche überlagert und folglich gar nicht sichtbar werden.

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Faktor-Zertifikate auf Wechselkurse, SIX-kotiert

Symbol

Basiswert

Strategie

Faktor

Laufzeit

Briefkurs

EC5SCB

EUR/CHF

Short

–5

Open End

17,34 CHF

EC0LCB

EUR/CHF

Long

10

Open End

26,03 CHF

EC0SCB

EUR/CHF

Short

–10

Open End

10,48 CHF

EC5LCB

EUR/CHF

Long

5

Open End

27,48 CHF

EU5SCB

EUR/USD

Short

–5

Open End

19,13 CHF

EU0LCB

EUR/USD

Long

10

Open End

15,19 CHF

EU5LCB

EUR/USD

Long

5

Open End

23,19 CHF

EU0SCB

EUR/USD

Short

–10

Open End

10,37 CHF

UC5LCB

USD/CHF

Long

5

Open End

23,84 CHF

UC5SCB

USD/CHF

Short

–5

Open End

16,36 CHF

UC0LCB

USD/CHF

Long

10

Open End

16,13 CHF

UC0SCB

USD/CHF

Short

–10

Open End

7,630 CHF

Stand: Juli 2019; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die massgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.ch zur Verfügung.