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Interview mit Harald Schnabel, CEO BX Swiss AG

Wir bieten für jede Marktmeinung mehr Anlagemöglichkeiten

ideas: Wofür steht die BX Swiss?
Harald Schnabel: Wir sind eine durch die FINMA voll regulierte Schweizer Börse, der Handel unterliegt einer unabhängigen Handelsüberwachung, ebenso einem anlegerfreundlichen Regelwerk. Seit rund anderthalb Jahren hat die BX Swiss eine neue Eigentümerstruktur. Heute setzt sie im Handel, an dem übrigens alle grossen Schweizer Banken teilnehmen, die neueste Generation an Infrastruktur ein. Unser Ziel ist klar: Wir möchten dem Schweizer Markt einen zweiten vollumfänglichen Börsenplatz bieten. Der Fokus liegt dabei auf Produkten, welche die SIX Swiss Exchange nicht unbedingt anbietet.

Wie ist dabei der Status quo?
Obwohl wir noch in der Aufbauphase sind, ist das Wertschriftenangebot enorm. An der BX Swiss sind schon jetzt mehr als 3.400 Aktien und 630 ETFs kotiert. Hinzu kommen rund 2.000 sogenannte AMCs. Bei diesen aktiv verwalteten Indexzertifikaten handelt es sich um die verbrieften Lösungen der Social-Trading-Plattform wikifolio. Diesen spannenden Fundus machen wir erstmals und exklusiv in der Schweiz handelbar. Besonders liegt mir deriBX, unser neues Segment für strukturierte Produkte, am Herzen. Hier konnten wir gerade die Commerzbank als erste Emittentin begrüssen.

Noch halten sich die Volumen in Grenzen. Wie möchten Sie deriBX ins Laufen bringen?
Ich bin überzeugt, dass wir mit dieser Plattform am Schweizer Markt eine Lücke füllen. Die Emittenten haben bisher die Möglichkeit, ihre Produkte an der SIX Exchange zu kotieren. Allerdings nutzen sie dabei meines Erachtens wegen der hohen Gebühren längst nicht das volle Potenzial hinsichtlich Produktvielfalt. Vielmehr bringen die Teilnehmer überwiegend Standardlösungen in den Handel ein. Eine Alternative bietet schon jetzt Swiss DOTS. Allerdings ist der Nutzerkreis dieser OTC-Plattform geschlossen. Mit unserem innovativen Modell möchten wir die Vielseitigkeit der Anlagemöglichkeiten für jede Marktmeinung deutlich erhöhen.

Wie gehen Sie dabei konkret vor?
Wir bieten den Emittenten verschiedene Pakete. Je nach Wahl können sie eine bestimmte Anzahl an Produkten für eine pauschale Gebühr kotieren. Der vereinbarte Fundus kann wahlweise auf einmal oder sukzessive in den Handel einziehen. Diese Praxis soll zusammen mit der Pauschalgebühr für eine deutlich grössere Produktvielfalt sorgen. Bleiben wir beim Hebelbereich: Ich erwarte, dass die Anleger bei uns beispielsweise viele Lösungen vorfinden, bei denen Basiswertkurs und Knock-Out näher beieinanderliegen. Schliesslich fallen für Nachemissionen keine Extragebühren an. Ich gehe ausserdem davon aus, dass gerade die Trader auf eine deutlich grössere Auswahl stossen, was die Laufzeiten betrifft.

Stichwort Trader: Anders als an der SIX Exchange läuft der Handel auf deriBX nicht komplett vollelektronisch. Vielmehr können die Emittenten über eine sogenannte Last-Look-Funktion eine Transaktion im letzten Moment ablehnen. Verprellen Sie damit nicht gerade die aktiven und sehr kurzfristig orientierten Nutzer?
Auf keinen Fall. Das Zeitfenster, in dem die Bank eine Stornierung tätigen kann, beträgt lediglich eine Sekunde. Allein schon aus Wettbewerbsgründen wird ein Emittent nur dann von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, wenn die Gefahr des Missbrauchs besteht, also beispielsweise Arbitrageure versuchen, einen Informationsvorsprung auszunutzen. Last Look ist insofern ein reiner Schutzmechanismus, der sich gegen schwarze Schafe richtet. Alle anderen Anleger sollen in Form engerer Spreads und höherer Volumen auf Bid- und Ask-Seite von dieser Funktion profitieren.

Noch ist die Commerzbank als einzige Emittentin an deriBX angeschlossen. Wann erwarten Sie weitere Häuser?
Wir stehen kurz davor, Lang & Schwarz begrüssen zu können, und erwarten im Laufe des zweiten Semesters Leonteq. Mit vier weiteren Instituten haben wir bereits Verträge abgeschlossen. Sie müssen allerdings bedenken, dass allein die technische Anbindung an das System einiges an Zeit in Anspruch nimmt.