Commerzbank Analysen

Apple-Universum

Unterschiedliche Gefühlslagen im Schatten des Tech-Giganten

Apple hat neue Produkte und Dienstleistungen präsentiert. Neben der nächsten Generation des Verkaufsschlagers iPhone stand dabei der nahende Start von AppleTV+ im Mittelpunkt. Das »Special Event« beflügelte die Apple-Aktie und strahlte positiv auf die Zulieferindustrie ab. Dagegen steht der Streaminganbieter Netflix angesichts der demnächst aufkommenden Konkurrenz unter Druck.

Am 5. Oktober jährt sich der Todestag von Steve Jobs bereits zum achten Mal. Der viel zu früh verstorbene Design- und Technologiepionier hat der Welt einige bahnbrechende Innovationen hinterlassen. Das iPhone ragt heraus. »Hin und wieder stehen wir einem wirklich revolutionären Produkt gegenüber, das alles verändert«, sagte der Mitbegründer und langjährige CEO von Apple, als er das kleine Gerät Anfang 2007 vorstellte. Jobs sollte recht behalten. Mit dem multifunktionalen und internetfähigen Mobiltelefon lieferten die Kalifornier eine Initialzündung für den heute mehr als eine halbe Billion US-Dollar schweren globalen Smartphone-Markt. Gleichzeitig manifestierte das iPhone den Aufstieg des Unternehmens zum weltgrössten Börsenkonzern.

Anlass mit Kultstatus
Ein vergleichbarer Coup ist Apple seither nicht mehr gelungen. Und doch geniessen die »Special Events«, in deren Rahmen der Konzern neue Produkte und Services präsentiert, noch immer Kultstatus. Zuletzt war es Anfang September so weit: Im Steve-Jobs-Theater am Firmensitz in Cupertino betrat CEO Tim Cook die Bühne. Gekleidet im typisch dunklen Outfit und mit Sneakern an den Füssen skizzierte er zunächst das Credo des Konzerns: »Indem wir den Menschen wundervolle Tools geben, ermöglichen wir es ihnen, wundervolle Dinge zu tun.« Möglich mache dies eine tief greifende Integration von Hardware, Software und Dienstleistungen.

Die erstgenannte Säule nahm den Grossteil der knapp eindreiviertel Stunden dauernden Show ein. Neben einer neuen Generation der AppleWatch stellte das Unternehmen ein runderneuertes iPad vor. Und natürlich durfte das iPhone nicht fehlen. Hier zeigte der Konzern das Modell 11, das mittlerweile in den Läden steht. Die auffälligste Änderung gegenüber den Vorgängern sind die »Augen«: Apple hat dem Kultgerät eine neue Kameratechnik verpasst. Während die einfache Variante mit zwei Objektiven ausgestattet ist, zeigt die Rückseite des »Pro«-Modells ein Tele-, ein Weitwinkel- sowie ein Ultraweitwinkelobjektiv. Neben den neuen Möglichkeiten bei Fotos und Videos hebt Apple die längere Batterielaufzeit hervor.

Mit der 5G-Technologie hat der Konzern das iPhone noch nicht ausgestattet. Dagegen haben die beiden Smartphone-Marktführer, Samsung und Huawei, bereits Geräte am Markt, mit denen sich der neue Mobilfunkstandard nutzen lässt. Es wird allgemein erwartet, dass Apple im kommenden Jahr nachzieht. Möglicherweise ist der Vorsprung der asiatischen Konkurrenten ein Grund dafür, dass sich die US-Amerikaner beim Preis für das iPhone 11 etwas zurückhalten. Mit 699 US-Dollar liegt der günstigste Tarif 50 Dollar unter demjenigen für das 2018 lancierte iPhone XR.

Es muss sich zeigen, ob es Apple gelingt, beim mit Abstand wichtigsten Produkt in die Wachstumsspur zurückzukehren. In der Fiskalperiode 2018 (per Ende September) verbuchte das iPhone noch einen Rekordumsatz. Dagegen sind die Erlöse in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahrs jeweils geschrumpft (siehe Grafik 1). Im Zeitraum April bis Juni 2019 sackte der Anteil des iPhones am Konzernumsatz zum ersten Mal seit 2012 auf weniger als die Hälfte ab. Das Schaubild zeigt, wie wichtig das Weihnachtsquartal für Apple ist – dann brummt das Geschäft traditionell besonders stark.

Grafik 1: iPhone-Quartalsumsatz
Grafik 1: iPhone-Quartalsumsatz
Stand: September 2019; Quelle: Apple

Vorstoss in Richtung Hollywood
Pünktlich zu dieser wichtigen Jahreszeit geht der Technologieriese 2019 neue Wege. Am 1. November fällt der Startschuss für AppleTV+. Der Streamingdienst war am jüngsten »Special Event« das eigentliche Highlight. »Unsere Mission ist es, die besten und originellsten Geschichten der kreativsten Köpfe aus Film und Fernsehen zu liefern«, erklärt der CEO. Mit einem Trailer zur Serie »See« untermauerte er diesen Anspruch. AppleTV+ tritt mit zunächst insgesamt acht Eigenproduktionen, den sogenannten Originals, in mehr als 100 Ländern an. Die dort beheimateten Unterhaltungsfans lockt der Konzern mit einem Extra: Käufer bestimmter Geräte wie iPhone oder iPad können das Programm ein Jahr lang kostenlos abrufen. An der Wall Street kam der gross angelegte Vorstoss in Richtung Hollywood gut an. Zwei Tage nach dem Anlass erreichte die Apple-Aktie mit 226,36 US-Dollar ein Verlaufshoch. Damit trennten den Large Cap nur noch rund 3 Prozent von dem vor ziemlich genau einem Jahr erreichten Allzeithoch (siehe Grafik 2).

Grafik 2: Wertentwicklung Apple
Grafik 2: Wertentwicklung Apple
Stand: September 2019; Quelle: Thomson Reuters

Nasdaq-Highflyer unter Druck
Dagegen hat Netflix das bereits im Juni 2018 markierte historische Top deutlich aus dem Blick verloren (siehe Grafik 3). Offensichtlich bekommt der zunehmende Konkurrenzdruck dem weltgrössten Streaminganbieter nicht gut. Zumal nicht nur Apple zum Gegenschlag ausholt. Am 12. November nimmt in Nordamerika und weiteren Märkten Disney+ den Betrieb auf. Der Mickey-Mouse-Konzern prescht mit seinem geballten Programm in diesen Wachstumsmarkt vor. Beispielsweise wird der jüngste Kino-Blockbuster »Avengers: Endgame« exklusiv auf dem Portal abrufbar sein. Sowohl Walt Disney als auch Apple setzen Netflix mit Kampfpreisen zusätzlich unter Druck. Während bei Disney+ das Monatsabonnement in den USA 6,99 Dollar kostet, ruft AppleTV+ 2 US-Dollar weniger ab. Zum Vergleich: Netflix-Nutzer müssen selbst für das Basic-Paket 8,99 US-Dollar pro Monat hinlegen.

Grafik 3: Wertentwicklung Netflix
Grafik 3: Wertentwicklung Netflix
Stand: September 2019; Quelle: Thomson Reuters

Erst Anfang des Jahres hatte der Branchenprimus die Tarife erhöht. Vor allem auf dem Heimatmarkt scheint dieser Schritt nicht gut angekommen zu sein: Im zweiten Quartal 2019 nahm die Zahl der US-Abonnenten zum ersten Mal seit acht Jahren ab. Auch konzernweit hat sich das Wachstum deutlich abgeschwächt: Mit 151,6 Millionen übertraf die Zahl der Nutzer per Ende Juni den Wert aus dem Vorquartal um lediglich 1,8 Prozent (siehe Grafik 4). Obwohl Netflix damit die Erwartungen klar verfehlte, bleibt CEO Reed Hastings gelassen. Im jüngsten Zwischenbericht verweist er darauf, dass die US-Bürger gerade einmal ein Zehntel ihrer TV-Zeit mit Netflix verbrächten. Unter anderem mit neuen Staffeln der Erfolgsserien »Stranger Things« und »Orange Is the New Black« möchte der Topmanager diese Quote erhöhen. Gleichzeitig setzt das Nasdaq-Unternehmen auf aufwendige Filmproduktionen wie beispielsweise den zusammen mit Starregisseur Martin Scorsese abgedrehten Mafia-Streifen »The Irishman«. Am 14. Oktober wird sich ein stückweit zeigen, ob die Wachstumsstory Netflix tatsächlich angeschlagen ist. Dann präsentiert das Unternehmen die Zahlen für das dritte Quartal.

Grafik 4: Netflix-Abonnenten
Grafik 4: Netflix-Abonnenten
Stand: September 2019; Quelle: Netflix

Österreicher mit Expansionsdrang
Neben der bestehenden und zukünftigen Konkurrenz dürften auch die Apple-Zulieferer das »Special Event« interessiert verfolgt haben. Zu den 200 in der offiziellen »Supplier List« des Konzerns aufgeführten Unternehmen zählt ams. Die optischen Sensoren der Österreicher werden nicht nur im iPhone, sondern auch von Konkurrenten des US-Konzerns verbaut. Ams bezeichnet das Consumer-Segment im Geschäftsbericht 2018 als »Hauptwachstumstreiber des Unternehmens«. Die Sparte steuerte 71 Prozent zum Umsatz bei. Schon jetzt agiert ams zudem als Zulieferer der Automobilindustrie. Die Bedeutung dieses Segments könnte schon bald zunehmen. Di0sterreicher buhlen um den deutlich grösseren Lichttechnikspezialisten Osram. Nachdem zuvor bereits die Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle ein Übernahmeangebot für die ehemalige Siemens-Tochter vorgelegt hatten, trat ams mit einer höheren, zunächst insgesamt 4,3 Milliarden Euro schweren Offerte auf den Plan. Daraufhin tat sich Bain mit dem Finanzinvestor Advent zusammen und stellte einen »bedeutend« höheren Preis in Aussicht. Ams konterte erneut und schraubte seine Offerte auf 4,5 Milliarden Euro hoch. Bis zum 1. Oktober (nach Redaktionsschluss) hatten die Osram-Aktionäre Zeit, sich zu entscheiden.

Unabhängig vom Erfolg dieses Vorstosses hat ams operativ Rückenwind. Angetrieben vom Consumer-Geschäft erwartet der Chiphersteller für das gerade abgeschlossene Quartal einen Umsatz zwischen 600 und 640 Millionen US-Dollar. Damit könnte der Konzern die Vorjahresperiode um bis zu gut einem Drittel übertreffen. Gleichzeitig rechnet das Management mit einer bereinigten operativen Marge (Stufe Ebit) von 25 Prozent. Im dritten Quartal 2018 lag diese Kennziffer bei 13 Prozent. Angesichts solcher Aussichten überrascht das Momentum der an der SIX Exchange kotierten Technologieaktie nicht. Im bisherigen Jahresverlauf hat sich der Wert von ams verdoppelt.

Zubehör für den Gabentisch
Zwar kann Logitech hier nicht Schritt halten. Mit einem Plus von 33 Prozent verdient sich allerdings auch dieser Mid Cap 2019 bis dato das Prädikat »Outerperformer«. Die Pläne von Apple sind für den schweizerisch-amerikanischen Konzern insofern relevant, da er Zubehör für mit dem Apfel-Logo versehene Geräte verkauft. Mit dem iPad der siebten Generation haben die Kalifornier eine weitere Steilvorlage für Logitech geliefert. Kaum hatte Apple das mit einem 10,2 Zoll Display ausgestattete Tablet präsentiert, stellte das SMIM-Mitglied zwei dazu passende Tastatur-Cases sowie eine spezielle, für den Einsatz in nordamerikanischen Schulen vorgesehene Schutzhülle samt Tastatur vor. Bis November und damit rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft geht das Zubehör in den Verkauf. Bereits am 22. Oktober publiziert Logitech die Zahlen für das zweite Quartal der Geschäftsperiode 2020 (per 31. März 2020). Dann wird sich zeigen, ob das Unternehmen den Schwung der ersten drei Monate – Umsatz und Gewinn lagen über den Erwartungen – hat halten können.

Anlageidee: Ausgewählte Hebelprodukte auf Apple & Co.

Mit einer Kapitalisierung von rund 1 Billion US-Dollar zählt Apple zu den absoluten Giganten der Wall Street. Nicht zuletzt wegen der aufkommenden Konkurrenz ist der Börsenwert von Netflix auf immer noch respektable 130 Milliarden US-Dollar zusammengeschmolzen. Auch wenn ams und Logitech grössenmässig nicht mit dem US-Duo Schritt halten können: Die beiden heimischen Mid Caps sind stark unterwegs.

Bei allen vier Titeln aus dem Apple-Universum bieten sich für Trader immer wieder Chancen – sowohl auf der Long- als auch der Short-Seite.

Die Tabellen enthalten verschiedene Hebelprodukte auf Apple, Netflix, ams und Logitech.

Warrants

Valor

Basiswert

Typ

Hebel

Strike

Laufzeit

Handelsplatz

49802251

Apple

Call

12,6

220,00 USD

20.03.2020

Swiss DOTS, BX Swiss

49802247

Apple

Call

7,4

200,00 USD

20.03.2020

Swiss DOTS, BX Swiss

49803364

Apple

Put

13,5

220,00 USD

20.03.2020

Swiss DOTS, BX Swiss

49803366

Apple

Put

10,3

230,00 USD

20.03.2020

Swiss DOTS, BX Swiss

49802306

Netflix

Call

7,3

270,00 USD

19.06.2020

Swiss DOTS, BX Swiss

48961780

Netflix

Call

10,9

300,00 USD

19.06.2020

Swiss DOTS, BX Swiss

49021172

Netflix

Put

6,1

280,00 USD

19.06.2020

Swiss DOTS, BX Swiss

48345911

Netflix

Put

4,3

310,00 USD

19.06.2020

Swiss DOTS, BX Swiss

48963183

ams

Call

7,5

49,00 CHF

20.03.2020

Swiss DOTS, BX Swiss

48705474

ams

Call

5,3

44,00 CHF

20.03.2020

Swiss DOTS, BX Swiss

49021105

ams

Put

3,9

49,00 CHF

20.03.2020

Swiss DOTS, BX Swiss

48705482

ams

Put

5,7

43,00 CHF

20.03.2020

Swiss DOTS, BX Swiss

48344675

Logitech International

Call

5,9

36,00 CHF

19.06.2020

Swiss DOTS, BX Swiss

48344678

Logitech International

Call

10,8

42,00 CHF

19.06.2020

Swiss DOTS, BX Swiss

48705554

Logitech International

Put

5,7

44,00 CHF

19.06.2020

Swiss DOTS, BX Swiss

48344683

Logitech International

Put

10,9

38,00 CHF

19.06.2020

Swiss DOTS, BX Swiss

Unlimited Turbo-Optionsscheine

Valor

Basiswert

Typ

Hebel

Strike

Stoppschwelle

Handelsplatz

48526877

Netflix

Call

6,1

222,06 USD

230,95 USD

Swiss DOTS, BX Swiss

49664776

Netflix

Put

4,1

328,16 USD

315,03 USD

Swiss DOTS, BX Swiss

48705108

ams

Call

4,0

33,38 CHF

36,39 CHF

Swiss DOTS, BX Swiss

49376740

ams

Put

4,4

54,29 CHF

49,37 CHF

Swiss DOTS, BX Swiss

49517744

Logitech International

Call

8,4

35,49 CHF

36,60 CHF

Swiss DOTS, BX Swiss

48504742

Logitech International

Put

6,4

46,36 CHF

44,91 CHF

Swiss DOTS, BX Swiss

Faktor-Zertifikate

Valor

Basiswert

Strategie

Hebel

Laufzeit

Handelsplatz

49645598

Apple

Short

–4

Open End

Swiss DOTS, BX Swiss

49645638

Apple

Short

–6

Open End

Swiss DOTS, BX Swiss

49645623

Netflix

Short

–4

Open End

Swiss DOTS, BX Swiss

49645663

Netflix

Short

–6

Open End

Swiss DOTS, BX Swiss

49588706

ams

Long

4

Open End

Swiss DOTS, BX Swiss

49588741

ams

Short

–4

Open End

Swiss DOTS, BX Swiss

49588786

Logitech International

Long

6

Open End

Swiss DOTS, BX Swiss

49588822

Logitech International

Short

–6

Open End

Swiss DOTS, BX Swiss

Stand: 30. September 2019; Quelle: Commerzbank AG

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die massgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.ch zur Verfügung.