Analysen
Ölmarkt: Eine völlig neue Situation
Die Eskalation im Mittleren Osten hinterlässt an den globalen Energiemärkten tiefe Spuren. Aus Sorge vor einer massiven Verknappung hoben die Preise regelrecht ab. Selbst die gross angelegte Freigabe von Ölreserven konnte die Lage zunächst nicht beruhigen – mit Blick nach vorn dürfte vor allem die Situation in der Strasse von Hormus preisbestimmend bleiben.
In normalen Zeiten würden die meisten Menschen der »Strasse von Hormus« kaum Beachtung schenken. Geografisch betrachtet trennt diese Meerenge die Arabische Halbinsel vom Iran und verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman sowie dem Arabischen Meer. An ihrer engsten Stelle ist die Strasse von Hormus gerade einmal 54 Kilometer breit. »Da rund 25 Prozent des weltweiten Öltransports auf dem Seeweg durch die Meerenge verlaufen und die Möglichkeiten, diese zu umgehen, begrenzt sind, hätte jede Unterbrechung des Verkehrs durch die Meerenge enorme Folgen für die weltweiten Ölmärkte«, stellte die Internationale Energieagentur (IEA) im Februar fest.
Nur wenig später sollte sich das Worst-Case-Szenario bewahrheiten. Am 28. Februar starteten die USA gemeinsam mit Israel Angriffe auf den Iran. Seither ist die Strasse von Hormus zum täglichen Begleiter für Politik, Wirtschaft und Verbraucher sowie zum Dauerthema in den Medien geworden. Der Iran drohte damit, Schiffe, die auf einer der beiden je 3,7 Kilometer breiten Fahrrinnen unterwegs sind, anzugreifen. Dadurch kam der Transport durch die Strasse von Hormus de facto zum Erliegen. Der nach Energie dürstenden Welt fehlen jetzt pro Tag annähernd 15 Millionen Barrel Rohöl – rund ein Drittel dieser Menge würde aus Saudi-Arabien kommen (siehe Grafik 1). Im vergangenen Jahr passierten darüber hinaus täglich im Mittel 4,93 Millionen Fass an weiteren Ölprodukten die Meerenge.
Eine grosse Lücke
Mittels ungenutzter Pipelinekapazitäten liessen sich laut Commerzbank Research bis zu 5 Millionen Barrel pro Tag umleiten. Der Grossteil davon könnte von Saudi-Arabien zu einem Hafen am Roten Meer sowie ein geringerer Teil von den Vereinigten Arabischen Emiraten zum Golf von Oman befördert werden. Die Rohstoffanalysten verweisen jedoch darauf, dass diese Routen nicht risikolos sind. In der Tat scheut der Iran nicht davor zurück, Ölanlagen in der Region anzugreifen. Treibstofflager in Bahrein wurden genauso zum Ziel wie Tanker vor der Küste des Irak oder das Ölfeld Shaybah in Saudi-Arabien. Und selbst für den Fall, dass die alternativen Transportrouten vollständig genutzt werden könnten, würde eine grosse Lücke bleiben. Laut Berechnungen der Commerzbank-Experten fehlen der Welt pro Tag 13,5 Millionen Fass Öl. Diese Menge entspricht mehr als einem Zentel des globalen Bedarfs. »Der Krieg im Mittleren Osten sorgt für die grösste Versorgungsunterbrechung in der Geschichte der globalen Ölmärkte«, stellte die IEA Mitte März fest.
Vor diesem Hintergrund überrascht die jüngste Preisentwicklung beim wichtigsten Energieträger nicht. Seit der Konflikt eskaliert ist, verteuerte sich Brent um knapp 40 Prozent auf zuletzt etwas mehr als 100 US-Dollar pro Fass. Zwischenzeitlich notierte die Nordseegattung bei knapp 120 US-Dollar, der höchste Stand seit dem Sommer 2022. Um grösseren Schaden von der Weltwirtschaft abzuwenden, haben sich die Mitglieder der IEA zu einer kollektiven Aktion entschieden. Sie geben gut 400 Millionen Barrel ihrer Ölreserven frei. Knapp zwei Drittel der zusätzlichen Mengen sollen aus staatlichen Vorräten kommen – rund 172 Millionen Barrel allein aus Amerika. »Dies ist das sechste Mal in der Geschichte der 1974 gegründeten IEA, dass die IEA-Mitgliedsländer gemeinsame Sofortmassnahmen zur Stützung der Ölmärkte ergriffen haben«, teilt die Agentur mit. Zuletzt kam es 2022, nach Beginn des Krieges in der Ukraine, gleich zwei Mal zu einem solchen Schritt.
Historische Einordnung
Carsten Fritsch, Analyst bei Commerzbank Research, hat die derzeitige Lage mit früheren Ölkrisen verglichen. In der Vergangenheit führte das höhere Preisniveau – über einen längeren Zeitraum – immer wieder zu einer Einschränkung der Nachfrage und einem Anstieg des Angebots. »Die Einsparmöglichkeiten auf der Nachfrageseite dürften heute geringer sein als vor 50 Jahren«, meint Fritsch. Er begründet das damit, dass der weltweite Bedarf kaum noch steigt, in den Industrieländern geht er sogar seit Jahren zurück. Darüber hinaus macht sich jetzt der Aufbau von Notfallreserven bezahlt, eine Reaktion auf die Angebotsschocks der 1970er-Jahre. Mit ihren Vorräten könnten die OECD-Länder dem Experten zufolge den Wegfall von Öllieferungen aus dem Mittleren Osten für gut drei Monate abdecken. Ausserdem hat China bereits im vergangenen Jahr seine Öltanks stark aufgefüllt, während rund 2 Milliarden Barrel auf Schiffen in den Weltmeeren unterwegs sind. »Eine unmittelbare Angebotsknappheit droht daher nicht«, fasst Carsten Fritsch zusammen. Und doch würde seiner Ansicht nach die Nervosität am Ölmarkt respektive das Preisniveau steigen, falls es zu einer längeren Blockade der Strasse von Hormus kommen sollte. Die bis vor kurzem wenig beachtete Meerenge dürfte also bis auf Weiteres im Fokus von Politik, Wirtschaft und Verbrauchern bleiben.
Produktidee: Unlimited Turbo-Optionsscheine auf Brent
Mit den jüngsten Preisausschlägen dürfte das Energiesegment auch in den Fokus der Trader zurückgekehrt sein. Zuvor stand das »schwarze Gold« hier eher im Schatten der haussierenden Edelmetalle. Im Produktspektrum von Société Générale spielen die Energieträger seit jeher eine wichtige Rolle. Beispielsweise führt die Emittentin knapp 100 Unlimited Turbo-Optionsscheine auf Brent in ihrem Sortiment. Mit diesen auch als Mini-Future bekannten Produkten können Anleger eine Positionierung mit Hebel eingehen und dabei sowohl auf einen Preisanstieg (Call) als auch auf einen Rückgang der Notierung (Put) setzen. Keine Chance ohne Risiko: Sollte das jeweilige Trading-Kalkül nicht aufgehen, drohen aufgrund der Hebelfunktion überproportionale Verluste.
Unlimited Turbo-Optionsscheine
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Valor |
Basiswert |
Typ |
Hebel |
Strike |
Stoppschwelle |
Handelsplatz |
|---|---|---|---|---|---|---|
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Brent-Future |
Call |
6,0 |
85,3721 USD |
87,89 USD |
Swiss DOTS |
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Brent-Future |
Call |
4,9 |
81,4969 USD |
83,89 USD |
Swiss DOTS |
|
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Brent-Future |
Call |
4,0 |
76,6718 USD |
78,89 USD |
Swiss DOTS |
|
|
Brent-Future |
Put |
4,0 |
128,0358 USD |
124,28 USD |
Swiss DOTS |
|
|
Brent-Future |
Put |
5,2 |
121,8598 USD |
118,28 USD |
Swiss DOTS |
|
|
Brent-Future |
Put |
6,2 |
118,7816 USD |
115,28 USD |
Swiss DOTS |
Stand: März 2026; Quelle: Société Générale
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