Titelthema

Deutschland vor der Wahl

Stabile Verhältnisse, stetes Wachstum, attraktive Bewertungen

Kurz vor der Bundestagswahl spricht einiges dafür, dass Kanzlerin Angela Merkel in die vierte Amtszeit geht. Nicht zuletzt die brummende Wirtschaft spielt der Amtsinhaberin in die Hände. Gleichwohl hat der deutsche Aktienmarkt sein Tempo zuletzt gedrosselt. Neben Euroaufwertung und Nordkoreakrise machten dem DAX die Probleme der Autoindustrie zu schaffen. Ungeachtet dessen läuft der Gewinnmotor der deutschen Grosskonzerne weiter mit einer hohen Drehzahl. Dadurch zeigt der Leitindex nun eine im internationalen Vergleich günstige Bewertung und bietet zudem jede Menge Tradinggelegenheiten.

Anfang Jahr zählten die Wahlen in Frankreich und in den Niederlanden zu den bestimmenden Themen an den europäischen Kapitalmärkten. Vor diesen Urnengängen machte die Sorge vor einem Rechtsruck in den beiden Euromitgliedsländern die Runde. Bekanntlich kam es anders: Während mit Emmanuel Macron ein glühender Europa-Anhänger neuer französischer Präsident wurde, setzte sich in den Niederlanden die rechtsliberale VVD von Ministerpräsident Mark Rutte knapp durch. Im Vergleich zu den Turbulenzen vor einigen Monaten spielt die Bundestagswahl in der Börsenberichterstattung nur eine untergeordnete Rolle. Am 24. September sind rund 61 Millionen Deutsche zum Gang an die Urne aufgerufen. Nach Ansicht von Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei Commerzbank Research, gibt es anders als in früheren Jahren keinen wirklichen Wahlkampf. »Schliesslich steht faktisch ohnehin fest, dass Angela Merkel Bundeskanzlerin bleibt«, erklärt er. In der Tat sprachen die Umfragen kurz vor der Wahl dafür, dass die 63-Jährige eine vierte Amtszeit antritt. Die Union aus Merkels CDU und der bayrischen CSU führte deutlich vor der SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Martin Schulz.

Beste Stimmung bei den Unternehmen
Krämer sieht mit Blick auf den Wahlausgang vor allem eine interessante Frage: »Kommt es zu einer Koalition der Union mit der SPD oder der FDP?«. Seiner Ansicht nach würde eine Fortsetzung der Grossen Koalition mit den Sozialdemokraten die Unternehmen gerade im Bereich der Arbeitsmarktpolitik in Summe wohl belasten. Bei einer Regierungsbildung mit der als wirtschaftsfreundlich geltenden FDP wäre dies wohl eher nicht der Fall. Ungeachtet sämtlicher Mehrheitsszenarien spielt die Konjunktur der Amtsinhaberin kräftig in die Hände. »Im Vorfeld der Bundestagswahl brummt die deutsche Wirtschaft«, erklärt Krämer. Der erfahrene Ökonom verweist unter anderem auf den Ifo-Geschäftsklimaindex. Zuletzt bewegte sich dieser viel beachtete Indikator laut Commerzbank Research auf dem höchsten Niveau seit den Sechzigerjahren (siehe Grafik 1).

Grafik 1: ifo-Geschäftsklimaindex
Grafik 1: ifo-Geschäftsklimaindex
Stand: August 2017; Quelle: ifo Institut

Vor diesem Hintergrund rechnet Commerzbank Research für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal 2017 gegenüber der Vorperiode mit einem Wachstum von 0,6 Prozent. In den ersten drei Monaten das Jahres steigerte Deutschland seine Wirtschaftsleistung um 0,7 Prozent, während sich das BIP von April bis Juni um weitere 0,6 Prozent ausdehnte. »Für das Gesamtjahr 2017 erwarten wir ein Wachstum von 2,0 Prozent«, sagt Jörg Krämer (siehe Grafik 2). Als einen Haupttreiber für die Konjunktur erachtet er den privaten Konsum. »Dieser profitiert von der steigenden Beschäftigung und ordentlichen Lohnzuwächsen«, meint der Ökonom. Zusätzliche Impulse könnten die Bauinvestitionen liefern – laut Krämer facht die hohe Nachfrage nach Immobilien das Segment an. Derweil sieht das Researchteam bei den Ausrüstungsinvestitionen – trotz günstiger Finanzierungsbedingungen – keine nachhaltige Wende zum Besseren. Die Experten sehen hier einen direkten Zusammenhang mit den unter Druck stehenden Gewinnmargen der Unternehmen. Ursächlich hierfür sei der stärkere Lohnanstieg.

Grafik 2: BIP-Entwicklung in Deutschland
Grafik 2: BIP-Entwicklung in Deutschland
Stand: August 2017; Quellen: destatis.de, Commerzbank Research

Bereits seit 2011 sind die Lohnstückkosten in Deutschland stärker angestiegen als im Durchschnitt der anderen Euroländer. Dadurch wackelt laut Commerzbank Research ein Grundpfeiler für den Erfolg in den vergangenen Jahren: die hohe preisliche Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig würde der Rückenwind aus den Emerging Markets nachlassen. Was die Exporte anbelangt, stellt zudem der Euro ein gewisses Risiko dar. In den vergangenen Monaten erlebte die Einheitswährung eine kleine Aufwertungswelle. Gegenüber dem US-Dollar verteuerte sich der Euro im bisherigen Jahresverlauf um mehr als 12 Prozent.

Anders als die bevorstehende Wahl sorgt der Devisenkurs am deutschen Aktienmarkt für reichlich Aufsehen. Am 20. Juni konnte der DAX bei 12.951,54 Punkten noch ein Allzeithoch markieren. Mittlerweile notierte der Leitindex knapp 6 Prozent unter diesem Spitzenwert (siehe Grafik 3). Den DAX-Bullen machte nicht nur die Währungsentwicklung zu schaffen. Als ein weiterer Belastungsfaktor kristallisierte sich in den Sommermonaten die Nordkoreakrise heraus. Zwischenzeitlich hatte sich die Tonlage im Streit zwischen den USA und dem kommunistischen Land dramatisch verschärft. Trotz aller Drohgebärden von US-Präsident Donald Trump provoziert Machthaber Kim Jong-un die USA munter weiter und führte Anfang September sogar einen neuen Atomtest durch. Nordkorea »bettelt um Krieg« sagte daraufhin Nikki Haley, US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen (UN). Von einem weltweiten Handelsembargo bis hin zu einer »massiven militärischen Antwort« lässt sich die USA derzeit sämtliche Möglichkeiten offen, um auf die zunehmende Bedrohung zu reagieren. Folglich scheint eine Lösung des Konflikts in weite Ferne gerückt zu sein und die Nordkorea-Sorgen werden die Märkte noch längere Zeit beschäftigen.

Grafik 3: Wertentwicklung DAX-Performanceindex
Grafik 3: Wertentwicklung DAX-Performanceindex
Stand: August 2017;  Quelle: Commerzbank

Vertrauensverlust für die Vorzeigeindustrie
Verstärkt wurde der jüngste Rücksetzer beim DAX durch die Krise der deutschen Vorzeigeindustrie. Nicht nur, dass sich die Automobilkonzerne BMW, Daimler und Volkswagen Kartellvorwürfen ausgesetzt sehen. Dem für mehr als ein Zehntel der DAX-Gewichtung verantwortlichen Trio macht zudem die »Dieselgate«-Affäre zu schaffen. Angesichts manipulierter Abgaswerte, zu hoher Stickstoffemissionen und drohender Fahrverbote in Städten steht die Zukunft dieser Motorenart in Frage. Laut Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes brachen die Neuzulassungen von Diesel-PKW in Deutschland im Juli um 12,7 Prozent ein. Selbst die Bundeskanzlerin setzt die Konzerne unter Druck. »Weite Teile der Automobilindustrie haben unglaubliches Vertrauen verspielt«, sagte Angela Merkel bei einer Wahlkampfveranstaltung.

Trotz aller Probleme und Risiken florieren die Geschäfte der DAX-Konzerne. Das Beratungsunternehmen EY hat die jüngsten Zwischenberichte unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Im zweiten Quartal 2017 steigerten die 30 Indexmitglieder ihre kumulierten Umsätze im gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6 Prozent auf 344,4 Milliarden Euro. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verzeichneten die Unternehmen ein überproportionales Wachstum von 31 Prozent auf die Rekordsumme von 39,2 Milliarden Euro. Das Gros der Konzernlenker schätzt die weiteren Aussichten positiv ein. Laut EY haben neun DAX-Mitglieder ihre Umsatz- oder Gewinnprognose für das Gesamtjahr im Rahmen der jüngsten Berichtssaison erhöht. Lediglich zwei Unternehmen mussten ihre Ziele nach unten korrigieren. »2017 dürfte also ein Rekordjahr werden«, fasst Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei EY, die Auswertung zusammen.

DAX-Bewertung auf dem Rückzug
Insofern kommt der positive Analystenkonsens nicht von ungefähr. Laut Commerzbank Research bewegen sich die Erwartungen in Bezug auf Unternehmensgewinne, Dividenden und Buchwert jeweils auf Allzeithochs. Solange die sehr expansive Geldpolitik der Notenbanken zu einem relativ starken Wachstum der globalen M1-Geldmenge führt, sieht das Szenario der Aktienstrategen einen anhaltenden Aufwärtstrend dieser fundamentalen Grössen vor. Schon jetzt hat das Zusammenspiel aus fallenden Kursen und steigenden Gewinnerwartungen dazu geführt, dass die Bewertung des DAX zurückgekommen ist.Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der für die kommenden zwölf Monate erwarteten Ergebnisse (forward, zwölf Monate) beläuft sich auf weniger als 13. Damit fällt die Kennzahl zwar höher aus als ihr historischer Mittelwert (siehe Grafik 4). Im Vergleich zu anderen wichtigen Börsenbarometern wie dem Euro STOXX 50 oder S&P 500 zeigt der DAX jedoch einen klaren Bewertungsabschlag. Für die deutschen Large Caps spricht überdies die Dividendenrendite. Mit 3,14 Prozent übertrifft sie die Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen um mehr als 270 Basispunkte.

Grafik 4: DAX – Kurs-Gewinn-Verhältnis
Grafik 4: DAX – Kurs-Gewinn-Verhältnis
Stand: August 2017; Quelle: Factset

Das Comeback des Jahres
Mehrere Einzeltitel ragen in punkto Dividendenrendite aus der Auswahl der 30 DAX-Titel heraus. Das gilt vor allem für RWE, nachdem der Versorger eine Sonderausschüttung angekündigt hat. Hintergrund ist eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Es hat die von den Atomkonzernen – neben RWE waren E.ON und EnBW betroffen – bezahlte Brennelementesteuer für rechtswidrig erklärt. Daraufhin musste die Bundesrepublik allein an RWE für den Zeitraum 2011 bis 2016 die stattliche Summe von 1,7 Milliarden Euro erstatten. Davon reicht der Konzern gut ein Drittel an die Anteilseigner weiter, wodurch der DAX-Titel aktuell eine Ausschüttungsrendite von 7,6 Prozent zeigt. Insofern kommt das laufende RWE-Börsencomeback nicht von ungefähr. Die Stammaktie hat im bisherigen Jahresverlauf um 76 Prozent zugelegt (siehe Grafik 5). Sie führt damit das Performanceranking im DAX an. Der 2011 beschlossene Atomausstieg hatte den Versorgersektor in eine ernste Krise gestürzt. Im Jahr 2016 nahm RWE umfangreiche Abschreibungen auf seine Kraftwerke vor und fuhr dadurch unter dem Strich einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro ein. Der Turnaround läuft: Neben deutlich besseren Geschäften im Energiehandel sorgte die Ökostromtochter Innogy dafür, dass der Konzern aus Nordrhein-Westfalen im ersten Halbjahr ein moderates Ergebniswachstum erzielte.

Grafik 5: Wertentwicklung RWE-Stammaktie
Grafik 5: Wertentwicklung RWE-Stammaktie
Stand: August 2017; Quelle: Commerzbank

Hinter RWE rangiert Lufthansa mit einem Kursplus von 69 Prozent in der DAX-Zwischenwertung auf dem zweiten Platz. Die Airline wartete zum Halbjahr ebenfalls mit starken Zahlen auf. Dank Kostensenkungen und einer hohen Ticketnachfrage flog die Lufthansa im zweiten Quartal ein Rekordergebnis ein. Daraufhin schraubte das Management die Zielsetzung für 2017 nach oben. Schon bald könnte der deutsche Marktführer seine Vormachtstellung weiter ausbauen. Lufthansa hat ein Auge auf die insolvente Air Berlin geworfen und möchte Teile des Rivalen übernehmen.

Egal, ob es die Top-Performer oder aus dem Tritt geratene Aktien wie die Autobauer sind: Aufgrund der hohen Aufmerksamkeit und einer enormen Handelsliquidität sind die DAX-Mitglieder als Basiswerte von Hebelprodukten sehr beliebt – gleiches gilt für den Leitindex selbst. Wir haben daher eine Auswahl an unterschiedlichen Strukturen zusammengestellt, denen jeweils ein deutscher Large Cap respektive der DAX selbst zugrunde liegt. Wer eine diversifizierte Anlage bevorzugt, könnte einen Blick auf die Produktpalette von ComStage werfen. Neben dem DAX zählen MDAX und SDAX zum Fundus der an der SIX Swiss Exchange kotierten Indexfonds. Hier reicht eine Order, um beispielsweise darauf zu setzen, dass die Bundestagswahl die Investoren doch noch in Wallung bringt und für einen positiven Impuls am deutschen Aktienmarkt sorgt.

Anlageidee: ETFs auf die DAX-Familie

ComStage UCITS ETF auf

Valorennummer

Pauschalgebühr p.a.

Ertragsverwendung

Geldkurs

Briefkurs

Währung

DAX

30296794

0,15 %

Ausschüttend

134,71

134,80

CHF

MDAX

30296891

0,30 %

Ausschüttend

162,79

162,89

CHF

SDAX

34442887

0,70 %

Ausschüttend

64,48

64,64

CHF

Stand: 25. August 2017; Quelle: Commerzbank

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die massgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.comstage.ch zur Verfügung.

Hebelprodukte auf den DAX und Einzeltitel

Warrants

Valor

Basiswert

Typ

Strike

Laufzeit

Handelsplatz

35880494

DAX

Call

11.900 Pkt.

17.01.2018

Swiss DOTS

35880531

DAX

Put

13.000 Pkt.

17.01.2018

Swiss DOTS

36385881

Daimler

Call

60,00 EUR

14.03.2018

Swiss DOTS

35800949

Daimler

Put

65,00 EUR

14.03.2018

Swiss DOTS

36191865

RWE

Call

18,00 EUR

14.03.2018

Swiss DOTS

36994342

RWE

Put

21,00 EUR

14.03.2018

Swiss DOTS

37244821

Lufthansa

Call

22,00 EUR

14.03.2018

Swiss DOTS

37244823

Lufthansa

Put

21,00 EUR

14.03.2018

Swiss DOTS

Unlimited Turbo-Zertifikate

Valor

Basiswert

Typ

Stoppschwelle

Handelsplatz

36388040

DAX

Bull

11.680 Pkt.

Swiss DOTS

27779866

DAX

Bear

13.290 Pkt.

Swiss DOTS

34591500

BMW

Bull

75,26 EUR

Swiss DOTS

36992392

BMW

Bear

86,29 EUR

Swiss DOTS

31948577

RWE

Bull

10,87 EUR

Swiss DOTS

36191832

RWE

Bear

21,44 EUR

Swiss DOTS

Faktor-Zertifikate

Valor

Basiswert

Strategie

Faktor

Handelsplatz

36659664

DAX Future September 2017

Long

12

Swiss DOTS

36659665

DAX Future September 2017

Short

–12

Swiss DOTS

37645086

Daimler

Long

8

SIX Swiss Exchange

37645107

Daimler

Short

–8

SIX Swiss Exchange

37645091

Lufthansa

Long

8

SIX Swiss Exchange

37645112

Lufthansa

Short

–8

SIX Swiss Exchange

33365169

Volkswagen Vz.

Long

5

SIX Swiss Exchange

33365200

Volkswagen Vz.

Short

–5

SIX Swiss Exchange

Stand: 25. August 2017; Quelle: Commerzbank

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die massgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.zertifikate.commerzbank.ch zur Verfügung.